Heft 1, Jg. 68, 2016

Abhandlungen

Literaturbesprechungen

Soziologische Theorie

  • Greve, Jens: Reduktiver Individualismus. Zum Programm und zur Rechtfertigung einer sozialtheoretischen Grundposition (Rainer Greshoff)

Methoden

  • Mey, Günter, und Katja Mruck (Hrsg.): Qualitative Forschung. Analysen und Diskussionen – 10 Jahre Berliner Methodentreffen (Frank Schulz-Nieswandt)
  • Schirmer, Dominique, Nadine Sander und Andreas Wenninger (Hrsg.): Die qualitative Analyse internetbasierter Daten (Andreas Breiter)
  • Keuschnigg, Mark, und Tobias Wolbring (Hrsg.): Experimente in den Sozialwissenschaften. Soziale Welt, Sonderband 22 (Ivar Krumpal)
  • Rohwers, Götz: Models in Statistical Social Research (Steffen Kühnel)
  • Behnke, Joachim: Logistische Regression. Eine Einführung (Jochen Mayerl)

Bildungsforschung

  • Aljets, Enno: Der Aufstieg der Empirischen Bildungsforschung. Ein Beitrag zur institutionalistischen Wissenschaftssoziologie (Johannes Kopp)

Soziologie des Konzentrationslagers

  • Kranebitter, Andreas: Zahlen als Zeugen. Soziologische Analysen zur Häftlingsgesellschaft des KZ Mauthausen. Mauthausen-Studien, Band 9 (Christian Fleck)

Nachrichten und Mitteilungen

Ankündigungen

1.1 Jahrestagung der Sektion Religionssoziologie der Deutschen Gesellschaft für Soziologie (DGS); 15.-16. April 2016, Lichtenbergkolleg Göttingen.

Bei der Etablierung der Soziologie als einer eigenständigen Disziplin spielten religionssoziologische Themen und Gegenstände eine prominente Rolle. An ihnen wurden Konzepte entwickelt, die nicht nur für die Religionssoziologie grundlegend wurden, sondern auch Eingang in den allgemeinen Theoriehaushalt des Faches fanden. Beispiele dafür sind die Charisma- und die Rationalisierungstheorie Max Webers oder Emile Durkheims Konzepte von Sakralität und kollektiver Efferveszenz. Auch spätere Soziologen haben in der Beschäftigung mit Religion Arbeiten von grundlegender soziologischer Relevanz hervorgebracht. Man denke nur an den wissenssoziologischen Ansatz von Peter L. Berger und Thomas Luckmann, an das Konzept sozialer Felder von Pierre Bourdieu oder die Arbeiten zum Fundamentalismus des jüngst verstorbenen Martin Riesebrodt.
Umgekehrt wurde die Religionssoziologie in ihren Perspektiven und Forschungsinteressen immer wieder stark von allgemeinen theoretischen Entwicklungen, Paradigmen und Trends in der Soziologie beeinflusst. So hat das lange Zeit vorherrschende Modernisierungsparadigma auch der Beschäftigung mit Religion, insbesondere der Säkularisierungstheorie seinen Stempel aufgedrückt. Die Systemtheorie hat die Aufmerksamkeit vor allem auf religiöse Kommunikation gelenkt, während in der new religious economics vor allem Theorien rationaler Wahl religionssoziologisch fruchtbar gemacht wurden. Derzeit provozieren vor allem die sozial- und kulturwissenschaftlichen „turns“ wie der material, der visual, der performative oder der body turn neue Perspektiven auf Religion und Spiritualität, ohne dass hier freilich schon größere theoretische Entwürfe sichtbar wären.
Die Tagung nimmt diese Beobachtungen zum Anlass, das komplexe und vielschichtige Verhältnis von Religionssoziologie und allgemeiner soziologischer Theorie genauer zu diskutieren.
www.​soziologie.​de/​de/​sektionen/​sektionen/​religionssoziolo​gie

Der lange Sommer populärer Musikkulturen und der gesellschaftliche Wandel 1965–1985. Tagung der Sektion Kultursoziologie in der DGS und des DFG–Projekts „Time has come today“; 26.-28. Mai 2016, Technische Universität Dresden.

Seit den 1960er Jahren wurde populäre Musik in bis dato noch nicht gekannter Weise zu einer Klammer, die die Ansprüche aufeinanderfolgender Generationen auf eigene Zeitregie, neue Lebensformen und -entwürfe miteinander verband und ihnen, vor allem seit den 1970er Jahren, eine gesellschaftliche Verbreitung verschaffte. Diese Verbindung von Musik, einer Alternativkultur und politischem Emanzipationsstreben entfaltete eine Sogkraft, die noch lange fortwirkte. Kultursoziologisch ist der spezifische Beitrag der populären Musik zu den gesellschaftlichen Wandlungsprozessen in diesem Zeitraum noch kaum thematisiert worden. In der Popularmusikforschung werden diesbezüglich zumeist der Form- und Genrewandel oder die Identitätsbildungsprozesse von Akteuren und Rezipienten untersucht. Die Tagung widmet sich der populären Musik als einem sich seit den 1960er Jahren weltweit verbreitenden kulturellen Phänomen, das auch aufgrund seiner transformativen Effekte interessant ist. Statt der in vielen kultursoziologischen Arbeiten im Vordergrund stehenden Abwertung oder Verteidigung populärer Musik (Kritische Theorie versus Cultural Studies) geht es also um die Kultursoziologie der populären Musik als einem Faktor des gesellschaftlichen Wandels der 1960er bis 1980er. Die Tagung soll damit auch dazu beitragen, die vielfältigen Beziehungen von Ästhetischem und Sozialem in konkreten Fallstudien mit Bezug auf populäre Musik zu analysieren.
Die Tagung soll vor diesem Hintergrund kultursoziologische Perspektiven erstens auf die spezifisch musikalischen und ästhetischen Formen der populären Musik sowie die sich mit ihnen verbindenden generationalen Lagerungen, kulturellen Praxen, politischen Artikulations- und Geselligkeitsformen entwickeln. Zweitens soll die Rolle der populären Musik in den gesellschaftlichen Wandlungsprozessen der 1960er bis 1980er Jahre, aber auch danach in den Blick genommen werden. Ausdrücklich werden auch Beiträge aus der Musikwissenschaft, der Geschichtswissenschaft und verwandten Gebieten erbeten, in denen gerade zur Ästhetik der populären Musik und den sie tragenden Orten und Gruppen bereits Arbeiten vorliegen. Im Fokus soll zunächst die Situation in der Bundesrepublik stehen, wobei auch Beiträge zu anderen Regionen denkbar sind.
Als Keynote Speaker konnten der Historiker Detlef Siegfried und der Kulturwissenschaftler Jochen Bonz gewonnen werden: Siegfried hat mit „Time is on my side“ (2006) die einschlägige geschichtswissenschaftliche Monographie zum Thema vorgelegt, Bonz’ Arbeiten stehen für einen sowohl kulturtheoretischen als auch ethnographischen Zugang zur Popkultur.

http://​tu-dresden.​de/​die_​tu_​dresden/​fakultaeten/​philosophische_​fakultaet/​is/​tuk/​Zeiten-des-Aufbruchs

Social Interaction and Society. Perspectives of Modern Sociological Science; 26.-28. Mai 2016, ETH Zurich.

Organizer: Chair of Sociology at ETH Zurich (Prof. Dr. Andreas Diekmann) in collaboration with the Section of Model Building and Simulation of DGS.
Social and strategic interaction is the basic element in explanations of how society works. People imitate habits, fashions, customs and norms, and learn from other people’s behavior. Opinions spread throughout society by characteristic patterns and the „law of imitation“ (Tarde) drives the social diffusion of innovations like norms, attitudes or the adoption of new technologies. Strategic behavior considers other actors’ goals and opportunities and often leads to far reaching consequences that were not intended by rational or boundedly rational actors. Competing models from game theory, behavioral game theory, rational choice theory, and bounded rationality theory with evolutionary models based on principles of learning and imitation were developed to account for explanations of social interactions and its consequences on the macro level of society. The aim of the conference is to bring together diverse perspectives on modeling social interaction, on deriving hypotheses from theories of interaction and on empirical tests of hypotheses in various fields of applications.

http://​www.​socio.​ethz.​ch/​en

Geschlossene Gesellschaften – 38. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Soziologie (DGS); 26.-30. September 2016, Bamberg.

Mit dem Thema „Geschlossene Gesellschaften“ richtet der 38. Kongress der DGS seine Aufmerksamkeit auf einen Kernbereich der Selbstbeschreibung moderner Gesellschaften: Diese verstehen sich im Sinne der kritischen Aufklärung (Kant), des Marxismus oder der Rationalisierungs-, Differenzierungs- und Modernisierungstheorien (von Weber und Durkheim über Parsons und Luhmann bis Elias und Beck sowie den multiple modernities etwa bei Eisenstadt bzw. den postcolonial perspectives) als von Menschen selbst gemachte Ordnungen. Das heißt, moderne Gesellschaften verstehen sich als gestaltungsoffen. Und doch werden alltäglich Schließungen vorgenommen, und sie müssen vorgenommen werden. Partielle Geschlossenheit nach Außen kann dazu dienen, Rechte und Pflichten zu institutionalisieren, Erwartungssicherheit zu generieren, Identität zu sichern, Leistungskraft zu entfalten und nicht selten auch innere Offenheit zu bewahren oder auszubauen. Dabei vollziehen sich soziale Schließungs- und Öffnungsprozesse auf allen sozialen Ebenen, auf der Ebene des individuellen und kollektiven Handelns, in Klein- und Großgruppen, in Gesellschaften und Gemeinschaften, in Organisationen und Systemen. In den sozialen Konstruktionen von Sinn und Wert ebenso wie in den Kämpfen um Anerkennung geht es immer auch um das Verhältnis zwischen Offenheit und Geschlossenheit.
Das Thema des 38. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Soziologie ist im Lichte aktueller gesellschaftlicher Dynamiken und im Bewusstsein um die interne Pluralität des Faches konzipiert. Es gehört zum Selbstverständnis der Soziologie, die Ursachen sozialer Schließungen und ihre Wirkungsmechanismen für gesellschaftliche Entwicklungsprozesse und individuelle Lebensverläufe zu verstehen, Zusammenhänge offenzulegen und Folgewirkungen abzustecken, um Akteuren und Akteurinnen ein reflexives Wissen über Handlungen und Handlungsfolgen für die Entscheidungen, die sie zu treffen haben, bereitzustellen. Angesichts der systemübergreifenden Veränderungsprozesse ist die Soziologie, die ihren Ursprung in der Analysenotwendigkeit zunehmend dynamischer und komplexer werdender Gesellschaften genommen hat, dafür besonders qualifiziert.
http://​kongress2016.​soziologie.​de

Call for Papers

Jahrestagung des Arbeitskreises Handlungs- und Entscheidungstheorie; 20.-21. Mai 2016, Universität zu Köln, Köln.

Bei der letzten Mitgliederversammlung wurde beschlossen, die Jahrestagung 2016 erneut ohne Schwerpunktthema zu gestalten und bewusst eine Vielfalt aller denkbaren Beiträge mit handlungs‐ und entscheidungstheoretischem Bezug willkommen zu heißen. Um die verschiedenen Forschungsströmungen des Arbeitskreises miteinander ins Gespräch zu bringen, laden wir alle Interessierten zum Einreichen von Papieren ein, unabhängig von inhaltlichen Schwerpunkten oder methodischer Herangehensweise, solange der Bezug zur Handlungs‐ und Entscheidungstheorie gewahrt bleibt.
Vorschläge für Referate mit max. einseitigem Abstract sind bis zum 10. April 2016 bei einem der Sprecher einzureichen. Wir bitten, die Papiere spätestens eine Woche vor der Tagung zu verteilen.
Die Tagung wird lokal von Jan Sauermann organisiert. Tagungssprache ist deutsch, Abstracts und Konferenzpapiere sind auch auf Englisch willkommen.
Sprecher des Arbeitskreises Eric Linhart, Technische Universität Chemnitz (eric.linhart@phil.tu‐chemnitz.de) Bernhard Kittel, Universität Wien (bernhard.kittel@univie.ac.at)
Marc Debus, Universität Mannheim (marc.debus@uni‐mannheim.de)
http://​www.​dvpw.​de/​gliederung/​ak/​handlungs‐und‐entscheidungsthe​orie.​html