Heft 1, Jg. 69, 2017

Abhandlungen

Bewertungsspiele. Von der Handlungs- zur Koordinationstheorie

Mateusz Stachura
KZfSS, 69, 2017: 1-26

Zusammenfassung: Studien Ungelöste Probleme in der Theorie des Handelns pflanzen sich auf der Ebene der Handlungskoordination fort. Wenn Handlungstheorien mit verkürzten Modellen von Menschen arbeiten, fallen auch Antworten auf Fragen nach der Möglichkeit der sozialen Ordnung, der Herrschaft, der Kooperation auf dem Markt verkürzt aus. Individueller Erfolg und soziale Anerkennung über Normhandlungen sind zwei weit voneinander entfernte Grundsteine, auf welchen bislang separate sozialtheoretische Gebäude hochgezogen wurden. Demgegenüber wird an dieser Stelle ein Konzept des Spiels eingeführt, das die beiden Momente verbindet. Spiele sind erfolgsorientierte und normerfüllende Interaktionen, in welchen Menschen sich wechselseitig bewerten. Normen sind Voraussetzungen sozialen Leistungs- und Qualitätsvergleichs. Menschen halten sich an Normen, um ihre Wertigkeiten gegenüber anderen Menschen zu ermitteln. Das Theorem des Spiels bietet Lösungen für das Problem der Handlungskoordination in der Hierarchie und auf dem Markt.

Schlüsselwörter: Handlungstheorie · Normen · (Selbst-)Regulierung · Markt ·
Hierarchie · Soziale Spiele

Valuation games. From the theory of action to the coordination theory

Abstract: Unsolved problems in the theory of action spread at the level of the coordination social activities. If action theories work with shortened “models of man” also the answers to questions about the possibility of social order, of hierarchie and of the cooperation on the market fall short of requirements. Goal attainment and social recognition are two widely disparate theoretical cornerstones on which hitherto separate theoretical buildings were raised. By contrast, a concept of the social game, which should be introduce here, connects the both moments: Games are goal-oriented interactions in which people recognize themselves mutually. The game player can recognize each other only in the sense that the game is normative regulated. The goal-orientation is thus normative broken. The social recognition is, however, relateled to and relativized by the game success. The theorem of the social game offers solutions to the problem of action coordination in the hierarchy and on the market.

Keywords: Theory of social action · Norms · (Self-)regulation · Markets ·
Hierarchies · Social game

M. Stachura
Max Weber Institut für Soziologie, Universität Heidelberg
Bergheimer Str. 58, 69119 Heidelberg, Deutschland
E-Mail: mateusz.stachura@soziologie.uni-heidelberg.de

 

Crowdsupporting als Gabentausch. Zur soziologischen Analyse des Crowdfunding

Ingo Schulz-Schaeffer
KZfSS, 69, 2017: 27–50

Zusammenfassung: Crowdfunding ist eine relativ neue Form der durch Internetplattformen vermittelten Finanzierung von Projekten durch Viele. Die als Crowdsupporting bezeichnete Variante weist häufig eine eigentümliche Vermischung von Aspekten des Kaufs und des Konsums einerseits und der Spende und des Engagements für die Sache andererseits auf. Der Beitrag argumentiert auf der Grundlage gabentauschtheoretischer Überlegungen, dass sich die eigennützigen und die uneigennützigen Handlungsorientierungen im Crowdsupporting zu einer eigenständigen und nicht-reduzierbaren Form sozialer Interaktion verbinden. Sie ist Bestandteil eines dreiseitigen Zusammenhanges von Konsum, Verbundenheit mit einer Sache von tieferer Bedeutung und Bezogenheit auf eine Gemeinschaft Gleichgesinnter.

Schlüsselwörter: Crowdfunding · Crowdsupporting · Gabentausch · Fantum · Fan-Ökonomie · Markengemeinschaften

Crowdsupporting as gift exchange. Towards a sociological analysis of crowdfunding

Abstract: Crowdfunding is a relatively new way of funding projects by drawing on small contributions from many individuals mediated through internet platforms. Crowdsupporting is a manifestation of crowdfunding which is often characterized by a peculiar mixing of aspects of market exchange and consumption on the one hand and donation and commitment to a cause on the other. The contribution argues based on gift exchange theory that the selfish and altruistic orientations of crowdsupporting interact in a way which constitutes a distinct form of social interaction not reducible to either of these orientations. This form of social interaction is embedded in a threesided relationship between consumption, commitment to a cause and a community of the likeminded.

Keywords:  Crowdfunding · Crowdsupporting · Gift exchange · Fandom · Fan economy · Brand communities

Ingo Schulz-Schaeffer
Institut für Soziologie, Fakultät VI, Technische Universität Berlin
Fraunhoferstr. 33–36, 10587 Berlin, Deutschland
E-Mail: schulz-schaeffer@tu-berlin.de

 

Der lange Arm der Bildungsexpansion: Die Bedeutung zunehmender elterlicher Bildungsressourcen für die Bildungsbeteiligung von Frauen in Deutschland

Andrea Ziefle
KZfSS, 69, 2017: 51–77

Zusammenfassung: Die Studie kombiniert Daten des ALLBUS und des Soziooekonomischen Panels, um den Beitrag sozialer Herkunftseffekte zur Erklärung des langfristigen historischen Trends der zunehmenden Bildungsbeteiligung von Frauen in Deutschland empirisch abzuschätzen. Für westdeutsche Geburtskohorten können zwei historische Phasen klar unterschieden werden: die Geburtskohorten bis etwa Mitte der 1960er Jahre, in denen sich Bildungschancen von Töchtern weitgehend quer durch alle Schichten erhöht haben und die anschließenden Geburtsjahrgänge, deren steigende Bildungsbeteiligung allein mit der Zunahme elterlicher Ressourcen als sozialstruktureller Kompositionseffekt erklärbar ist. Die steigende Bildungsbeteiligung von Frauen in Ostdeutschland folgt dagegen einem komplexeren Muster, bei dem es in der Gründungsphase der DDR zunächst zu einer allgemeinen Ausweitung der Bildungschancen und einer deutlichen sozialen Öffnung des Bildungssystems kam. In der Spätphase der DDR bewirkte die staatliche Bildungspolitik dagegen eine Stagnation des allgemeinen Bildungsniveaus und einen deutlichen Rückgang der
schichtspezifischen Bildungsbeteiligung, der erst durch die Wiedervereinigung beendet wurde. Ähnlich wie in Westdeutschland ist der deutliche Anstieg der weiblichen Bildungsbeteiligung nach der Wiedervereinigung auch in Ostdeutschland weniger eine kollektive, sondern eine stark durch elterliche Ressourcen geprägte Erfahrung. In beiden Teilen Deutschlands spielen insbesondere die gestiegenen Bildungsressourcen von Müttern eine zentrale Rolle für die Zunahme der Bildungsbeteiligung ihrer Töchter

Schlüsselwörter: Bildungsbeteiligung · Soziale Herkunft · Bildungsexpansion · Sozialer Wandel · Chancengleichheit · Kohortenvergleich

The long arms of educational expansion: rising parental education as an explanation of the historical increase in women’s educational attainment in Germany

Abstract: The study combines survey data from the German General Social Survey (ALLBUS) and the German Socio-Economic Panel (GSOEP) to address the role of changing parental resources in explaining the long-run historical trend of women’s rising educational attainment in Germany. For West German cohorts, the analysis suggests a distinction between two historical periods: a first one for birth cohorts up until the mid-1960s, when daughters’ educational attainment increased uniformly across all social strata, and a second period among women from younger birth cohorts, for whom all observable change in educational attainment can be explained as a pure compositional effect due to rising levels of parental resources. Rising educational attainment among East German cohorts has followed a more complex historical pattern, however, as women first benefitted from rapid educational expansion and the equalization of educational opportunity during the first two decades of the GDR. With educational policies reversed since the 1970s, East German women saw their educational progress stalled, and class-specific educational attainment actually in decline up until the point of German reunification. With reunification, women’s educational attainment increased sharply, but, as among Western cohorts, mostly as a reflection of the growth of parents’ private resources. In both parts of Germany, parental education rather than class has been the key factor at the family level, and increasingly so the rising education of mothers.

Keywords: Educational attainment · Social origins · Educational expansion · Social change · Inequality of educational opportunity · Cohort analysis

Andrea Ziefle
FB 03 Gesellschaftswissenschaften, Goethe-Universität Frankfurt a. M.
Theodor-W.-Adorno-Platz 6, 60629 Frankfurt a. M., Deutschland
E-Mail: aziefle@soz.uni-frankfurt.de

Horizontale und vertikale Adäquanz im Anschluss an die betriebliche Ausbildung in Deutschland. Zur Bedeutung von Merkmalen des Ausbildungsberufs

Laura Menze
KZfSS, 69, 2017: 79–107

Zusammenfassung: Absolventen des dualen Systems der Berufsausbildung in Deutschland haben unterschiedlich gute Chancen auf einen direkten Übergang in horizontal und vertikal adäquate Arbeitsmarktpositionen. Der Artikel diskutiert die Rolle von strukturellen Merkmalen von Ausbildungsberufen für diese unterschiedlichen Chancen. Der Fokus liegt auf drei Merkmalen: die durchschnittlichen Ausbildungskosten, der Grad der beruflichen Schließung und die Breite der Qualifikationen. Anhand von Daten des Nationalen Bildungspanels (NEPS) wird die erste Arbeitsmarktposition von betrieblich Ausgebildeten der Abschlussjahrgänge 1974 bis 2004 in Westdeutschland untersucht. Indikatoren für die beruflichen Merkmale werden mit Daten der BIBB-Kosten-Nutzen-Erhebungen und der BIBB/IAB-Erwerbstätigenbefragungen gebildet und den Individualdaten zugespielt. Mithilfe von multinomialen logistischen Regressionsmodellen wird der Einfluss der Berufsmerkmale auf die Wahrscheinlichkeit untersucht, überhaupt eine Erwerbstätigkeit zu finden sowie horizontal und vertikal adäquate Positionen zu erreichen. Es zeigt sich, dass die betrachteten Merkmale des Ausbildungsberufs für betrieblich Ausgebildete unterschiedliche Optionen sowohl innerhalb des erlernten Berufs als auch in anderen Berufen eröffnen. Der Artikel leistet einen Beitrag zu unserem Verständnis dafür, wie berufliche Merkmale individuelle Arbeitsmarktchancen strukturieren und zeigt langfristige Konsequenzen von ungleichen Zugangschancen zu Ausbildungsberufen auf.

Schlüsselwörter: Arbeitsmarkteintritt · Ausbildungsberufe · Horizontale und vertikale Adäquanz · Ausbildungskosten · Berufliche Schließung · Qualifikationsbreite

Horizontal and vertical matches after apprenticeship training in Germany. On the impact of characteristics of the training occupation

Abstract: Graduates of the German dual system of vocational education and training differ in their chances of directly entering horizontally and vertically matching labour market positions. This article discusses how structural characteristics of training occupations impact such differences. I focus on three characteristics: the average training costs, the degree of occupational closure and how broadly applicable the qualifications are. Using data from the National Educational Panel Study (NEPS), I analyse the first labour market position for individuals who graduated from apprenticeship training between 1974 and 2004 in West Germany. I develop measures for occupational characteristics based on data from the BIBB Cost Benefit Studies and the BIBB/IAB Employment Surveys and merge these measures with the individual-level data. Applying multinomial logistic regression models, I simultaneously analyse the influence of the occupational characteristics on the probability to find employment in the first place and to reach horizontally and vertically matching positions. The results show that the occupational characteristics provide different opportunities within the training occupation but also within other occupations. The article, thus, helps us understand how occupational characteristics structure individual labour market chances and sheds light on the long-term consequences of unequal access to training occupations.

Keywords: Labour market entry · Training occupations · Horizontal and vertical match · Training costs · Occupational closure · Occupational specificity

Laura Menze
Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB)
Reichpietschufer 50, 10785 Berlin, Deutschland
E-Mail: laura.menze@wzb.eu

 

Sozialer Status und prosoziales Handeln: Ein Quasi-Experiment im Krankenhaus

Ulf Liebe · Elias Naumann · Andreas Tutic
KZfSS, 69, 2017: 109–129

Zusammenfassung: Soziologische, sozialpsychologische und ökonomische Forschung zum Zusammenhang von sozioökonomischem Status und Prosozialität hat bisher widersprüchliche Befunde geliefert . Einige Studien belegen, dass Akteure mit hohem sozialen Status egoistischer als Akteure mit geringem sozialem Status handeln. Andere Studien finden gerade den gegenteiligen Effekt. Im Unterschied zur bisherigen Forschung, die mit eindimensionalen Maßen für sozioökonomischen Status gearbeitet hat, untersucht die vorliegende Studie prosoziales Handeln von Berufsgruppen, die in regelmäßigem lebensweltlichen Kontakt miteinander stehen. Über 150 Angestellte in Krankenhäusern (Ärzte, Pflegepersonal und Pflegeschüler) haben an Experimenten zum altruistischen Geben in Diktatorspielen teilgenommen. Es zeigen sich klare und überraschend starke Effekte: Sozial besser gestellte Akteure zeigen sich deutlich prosozialer als sozial schlechter gestellte Akteure. Zudem finden wir kaum Eigengruppeneffekte, die in der Forschung immer wieder postuliert werden. Unsere Ergebnisse stützen die Annahme eines positiven Zusammenhangs zwischen sozialem Status und Prosozialität und deuten darauf hin, dass die bisherigen, teilweise widersprüchlichen Forschungsbefunde zu einem beträchtlichen Teil durch problematische Maße für sozialen Status und das experimentelle Design bedingt sind.

Keywords: Altruismus · Experiment · Diktatorspiel · Prosozialität · Sozioökonomischer Status · In-group Bias

Social status and prosocial behavior: a quasi-experiment in the hospital

Abstract: Sociological, social psychological and economic research on the nexus between socioeconomic status and prosociality has so far provided contradictory findings. Some studies suggest that actors with a high socioeconomic status actmore egoistically than actors with a lower socioeconomic status. Other studies find the opposite to be true. In contrast to previous research, which has worked with one-dimensional measures for socioeconomic status, this study examines prosocial behavior among occupational groups that have regular real-life contact in their workspace. About 150 hospital employees (physicians, nursing staff and nursing students) participated in experiments on altruistic giving in dictator games. The findings are surprisingly strong and clear-cut: Actors with higher social status act more prosocial than low-status actors. Furthermore, we find hardly any in-group effects, which have been repeatedly postulated. Our findings support the claim that high status promotes prosocial behavior. Also, they indicate that the inconclusive and in part contradictory findings provided by previous research stem to a considerable degree from deficient measures of social status and problematic experimental designs.

Keywords: Altruism · Experiment · Dictator game · Prosociality · Socioeconomic status · In-group bias

Ulf Liebe
Institut für Soziologie, Universität Bern
Fabrikstraße 8, 3012 Bern, Schweiz
E-Mail: ulf.liebe@soz.unibe.ch

Elias Naumann
SFB 884 „Political Economy of Reforms“, Universität Mannheim, L 13 17
68131 Mannheim, Deutschland
E-Mail: naumann@uni-mannheim.de

Andreas Tutic
Institut für Soziologie, Universität Leipzig
Beethovenstr. 15, 04107 Leipzig, Deutschland
E-Mail: andreas.tutic@sozio.uni-leipzig.de

Berichte und Diskussionen

Zentrum und Peripherie im globalen Wissenschaftssystem. Wie das symbolische Kapital von Universitäten die internationalen Mobilitätschancen von Soziologiestudierenden beein-flusst

Jürgen Gerhards · Silke Hans · Daniel Drewski
KZfSS, 69, 2017: 131–147

Zusammenfassung: In einer experimentellen Studie untersuchen wir, welchen Einfluss das symbolische Kapital nationaler Hochschulsysteme und einzelner Universitäten auf die internationalen Mobilitätschancen von Doktoranden hat. Dazu haben wir fiktive Anfragen internationaler Doktoranden an deutsche Soziologieprofessoren verschickt, in denen um eine Betreuung für einen Forschungsaufenthalt in Deutschland gebeten wurde. Die Anfragen unterscheiden sich in der Herkunft der Bewerber (Yale, Pennsylvania State University (beide USA), National University Singapore, Vietnam National University Hanoi). Die Befunde zeigen, dass Bewerber der amerikanischen Universitäten häufiger positive und zudem informativere und persönlichere Rückmeldungen erhalten als die Bewerber aus Singapur und Vietnam. Zudem spielt das symbolische Kapital der Universität eine größere Rolle als die fachliche Qualität des jeweiligen soziologischen Instituts, was in normativer Hinsicht problematisch ist.

Schlüsselwörter: Symbolisches Kapital von Universitäten · Studentische Mobilität · Experiment

Center and periphery in the global system of higher education.
How the symbolic capital of universities shapes the international mobility of sociology students

Abstract: We use an experimental design to analyse the effect of symbolic capital of a nation’s higher education system and of single universities on students’ opportunities for international mobility. Fake applications of international doctoral students were sent to German sociology professors, who were asked to serve as supervisors during a research visit in Germany. Our fake applicants come from four different universities: Yale, Pennsylvania State University, National University Singapore, and Vietnam National University Hanoi. The results show that applicants from both US institutions get more positive, more informative and more personal feedback than applicants from Singapore and Vietnam. Moreover, the symbolic capital of a university seems more important than the quality of a specific department, which is problematic in normative terms.

Keywords:  Symbolic Capital of Universities · Student Mobility · Experiment

Jürgen Gerhards · Daniel Drewski
Institut für Soziologie, Freie Universität Berlin
Garystraße 55, 14195 Berlin, Deutschland
E-Mail: j.gerhards@fu-berlin.de; daniel.drewski@fu-berlin.d

Silke Hans
Institut für Soziologie, Georg-August-Universität Göttingen
Platz der Göttinger Sieben 3, 37073 Göttingen, Deutschland
E-Mail: silke.hans@sowi.uni-goettingen.de

Literaturbesprechungen

Soziologie des Wissenschaftssystems

  • Neumann, Ariane: Die Exzellenzinitiative. Deutungsmacht und Wandel im Wis-
    senschaftssystem. (Alexander Lenger)

Soziologie der Menschenrechte

  • Heintz, Bettina, und Britta Leisering (Hrsg.): Menschenrechte in der Weltge-
    sellschaft. Deutungswandel und Wirkungsweise eines globalen Leitwerts. (Doris Mathilde Lucke · Jan-Malte Hunfeld)

Soziologiegeschichte

  • Von Freyberg, Thomas: Sperrgut. Zur Geschichte des Frankfurter Instituts für Sozi-
    alforschung zwischen 1969 und 1999. Geleitwort von Oskar Negt. (Fabian Link)

Religionssoziologie

  • Stolz, Jörg, Judith Könemann, Mallory Schneuwly Purdie, Thomas Englberger und
    Michael Krüggeler: Looking behind the label. Global industries and the conscientious consumer. Geleitwort von Oskar Negt. (Franz Höllinger)

Stadtsoziologie

  • Siebel, Walter: Die Kultur der Stadt. (Henrik Schultze)

Elitenforschung

  •  Hartmann, Michael: Die Globale Wirtschaftselite. Eine Legende. (Jürgen Gerhards)

Soziologie des Holocaust

  • Stefan Kühl: Ganz normale Organisationen. Zur Soziologie des Holocaust. (Ulrike Schulz · Henry Marx)

Nachrichten und Mitteilungen

Ankündigungen

Markierungen und Grenzziehungen in der Wissenschaft. Herbsttagung der DGS-Sektion Wissenschafts- und Technikforschung, Forum Internationale Wissenschaft, Universität Bonn.
Zeitrahmen: 05.10. -06.10.2017.
Einsendefrist für Call for Papers: 31.05.2017.

Symbolische Markierungen und Grenzziehungen sind allgegenwärtiger Bestandteil der Wis-senschaft. Markierungen kennzeichnen zum Beispiel Forschungskontexte als „exzellent“, schreiben Publikationen „Relevanz“ zu oder beurteilen das wissenschaftliche Personal als „kre-ativ“ oder „produktiv“. Mitunter verfestigen sich solche Markierungen zu symbolischen Gren-zen, die soziale Ordnungen in der Wissenschaft vertikal oder horizontal strukturieren. Horizon-tal grenzen sich wissenschaftliche Institutionen anhand ihrer Forschungsprofile voneinander ab, unterscheiden sich Disziplinen nach Forschungsgegenständen und sortieren sich Forsche-rinnen und Forscher wiederum innerhalb und quer zu Disziplinen in Schulen und Communities ein. Vertikal differenzieren sich Universitäten und Institute über Markierungen wie „Elite“, während für die symbolische Hierarchisierung des wissenschaftlichen Personals akademische Titel, Prestigepositionen in Fachgesellschaften und Universitäten, wichtige Mentoren, Zitatio-nen, Herausgeberschaften oder Nachrufe sorgen.

Die Untersuchung solcher symbolischen Markierungen und Grenzen in der Wissenschaft ist insbesondere deswegen von besonderer Bedeutung, weil mit ihnen Erfolge und materielle Un-gleichheiten im wissenschaftlichen Feld erzeugt und legitimiert werden können. So sind für die Vergabe akademischer Statuspositionen an Personen Zuschreibungen wie Forschungsleistung oder individuelle Reputation, aber auch nicht-akademische Markierungen wie ihr Geschlecht oder Alter relevant. Materielle Zuwendungen im Rahmen von Stipendien, Fellowships und Stellen werden auf Grundlage der Zuschreibung von Sachkenntnissen, Intellekt oder Talent er-teilt, Drittmittel werden mit Verweis auf „Originalität“ oder „Impact“ zugewiesen, gesellschaft-liche Eliten rekrutieren sich vor allem im angloamerikanischen Kontext über prestigeträchtige Spitzenuniversitäten.

Ziel der Tagung ist es, zwei Perspektiven für die Wissenschaftsforschung in Dialog miteinander zu bringen: Auf der einen Seite soll auf die Bedeutung symbolischer Markierungen und Grenzen in der Wissenschaft hingewiesen werden. Damit meinen wir Zuschreibungen und Setzungen, die jenseits objektiver Sozialstrukturen in Form von Zeichen, Symbolen oder Sprache erzeugt werden. Sie können objektive Grundlagen haben, auf geteilten Annahmen und Überzeugungen fußen, konfliktreich durchgesetzt oder lediglich strategisch eingesetzt werden. Auf der anderen Seite soll gefragt werden, inwiefern Markierungen und Grenzen mit materiellen Ungleichheiten korrespondieren, in diese übergehen und zu ihrer Reproduktion beitragen. Hier geht es zum Beispiel um Fälle wie Impactfaktoren, Drittmittelquoten oder Rankings, bei denen symbolische Zuschreibungen und Setzungen an Karrierechancen oder Ressourcenverteilungen im wissenschaftlichen Feld geknüpft sind.

Die Sektionstagung soll über die bloße Katalogisierung von Markierungen und Grenzen hinausgehen. So wollen wir gleichermaßen die empirische Vielfalt dieser Phänomene feststellen, als auch diskutieren, wie symbolische Zuschreibungen und Setzungen im wissenschaftlichen Feld erstens erzeugt, etabliert und legitimiert werden, und wie sie zweitens mit der Produktion und Reproduktion materieller Ungleichheiten verschränkt sind. Für diese Fragen steht ein ganzes Arsenal soziologischer Konzepte bereit, das zur Erklärung herangezogen werden kann. Beispielsweise können Markierungen und Grenzziehungen durch Konsekrations- und Sichtbarkeitseffekte sowie Praktiken der Kategorisierung und Klassifikation etabliert werden, durch black boxing oder Ritualisierungen stabilisiert und plausibilisiert werden und durch kumulative Effekte oder Praktiken des Gatekeeping mit materiellen Ungleichheiten gekoppelt sein.

Wir freuen uns über theoretisch und empirisch fundierte Beiträge, die sich mit diesen Fragen
im Rahmen von Einzelfall- oder Vergleichsstudien auseinandersetzen. Wir bitten um die Zusendung einer Beitragsskizze von maximal einer Seite unter Angabe des Namens, der Anschrift und der E-Mailadresse bis zum 31. Mai 2017 an die Organisatoren:

Julian Hamann, Universität Bonn (hamann@uni-bonn.de)
Alexander Lenger, Universität Freiburg (alexander.lenger@soziologie.uni-freiburg.de)

Power, Violence and Justice: Reflections, Responses and Responsibilities. 19th ISA World Congress of Sociology in Toronto, Canada. Zeitrahmen: 15.07. -21.07.2018.

Since the inception of the discipline, sociologists have been concerned with power, violence and justice. Current social, economic and political challenges enhance their relevance. As capitalist globalization expands and deepens, corporate power increases along with global, national and local inequalities. New geo-political power configurations and confrontations are emerging, with violence being used as a tool to oppress and also to resist oppression. Colonial histories and contemporary land appropriations reflect the structures and cultural processes that perpetuate violence against indigenous and minority communities. States’ failures to meet their responsibility to provide basic resources are often deflected by blaming the most vulnerable. Both global economic and geo-political processes create crises and massive displacements of people and, at the same time, fuel racism, nationalism and xenophobia. We have also seen an increasing buildup of a culture of fear as a powerful tool used by states, corporations and other institutions to generate popular support for curtailing freedom in the name of security. Efforts to curtail the flow of desperate refugees, attest to the reinforcement of national and racialized borders. Despite visible progress on equality issues, violence against women and intersectional violence point to the entrenchment of the gender border around the world. Equally significant is the need to consider the role of state and institutional power relations to ongoing everyday violence. In response to disempowerment, violence, and injustice we have also witnessed nonviolent movements, humanitarian interventions, and peace processes that have empowered communities, reduced violence, and promoted justice. These diverse communities have built solidarities outside the neo-liberal frames of state-global capital nexus.
This XIX ISA World Congress of Sociology will focus on how scholars, public intellectuals, policy makers, journalists and activists from diverse fields can and do contribute to our understanding of power, violence and justice.

Further information: http://www.isa-sociology.org/en/conferences/world-congress/toronto-2018/

Call for abstracts from April, 25th until September, 30th dealing with the three following topics:

The Medicalisation of Social Problems: The Role of States and Markets.
Medicalisation has been a major theme in medical sociology since the 1970s. Personal and increasingly also social problems such as poverty and unemployment are defined in medical terms and thus become subject to medical and pharmaceutical interventions. A renewed interest in medicalisation can be observed in recent years. It may stem from the change in the driving forces of medicalisation that Conrad and Clarke have suggested: Rather than the medical profession, market (e.g., companies) and state (e.g., health policy) actors seem to be the engines behind medicalisation in the 21st century. While companies in globalised capitalism use medicalisation to gain profits, states’ rationales to engage in medicalisation are more complex. However, the resonance of medicalising (and thereby individualising) social problems with neoliberal reform and welfare state restructuring might be one important underlying mechanism. Unlike medicalisation processes that are driven by social movements and consumers, medicalisation through markets and the state reinvigorate questions of power and social control as well as the association of medicalisation with social stigma.
This session invites both theoretical and empirical studies that investigate the role of markets and states in the medicalisation of personal and social problems. Considerations on the individual level discussing the power of professionals or patients‘ adherence are also of interest. Comparative studies and studies from the Global South are particularly welcome.

Session Organizers:
Nadine Reibling, University of Siegen, Germany, reibling@soziologie.uni-siegen.de,
Peter Kriwy, Chemnitz University of Technology, Germany, peter.kriwy@soziologie.tu-chemnitz.de
Sigrun Olafsdottir, Boston University, USA, sigrun@bu.edu

Further information: https://isaconf.confex.com/isaconf/wc2018/webprogrampreliminary/Session8145.html

Social Networks and Inequalities in Health.
Social relationships have been widely recognized for their powerful effects on physical and mental health, as they have been associated with a broad variety of health outcomes, such as depression, heart disease, disability, cognitive functioning, longevity and survival. An explanation is that individuals access and capitalize a wide array of material and immaterial resources through their set of social relationships, called social network.
Previous research on health inequalities has shown that variations in health often base on differences in access to social capital from social networks. While much of this research has focused on the country and the neighborhood level, less is known about how differences in social networks emerge at the individual level. For example, socio-demographic factors including employment status, income, education, gender and ethnicity may partially drive individual inequalities in social capital and health. More complicatedly, the individuals’ ability to foster and maintain a resourceful network also depends on their physical and mental health, which in turn is linked to socio-demographic characteristics, so that inequality, social networks and health are strongly interwoven.
This session takes a closer look at social networks as drivers, modifiers and outcomes of health inequalities. There is no a priori focus on qualitative, quantitative contributions or theoretical concepts.
There are the links between social networks and physical, mental health and risk behavior?
What do we know about social netwoks with different social or socio-economic status (e.g., migrants, jobless persons, persons of older age). Do differences in their social networks relate to inequalities in health?

Session Organizers:

  • Markus Gamper, Univeristy of Cologne, Germany, m.gamper@uni-koeln.de,
  • Lea Ellwardt, University of Cologne, Germany, ellwardt@wiso.uni-koeln.de,
  • Peter Kriwy, Chemnitz University of Technology, Germany, peter.kriwy@soziologie.tu-chemnitz.de,
  • Andreas Klärner, Thünen-Institut, Germany, andreas.klaerner@thuenen.de

Further information: https://isaconf.confex.com/isaconf/wc2018/webprogrampreliminary/Session10087.html

New Developments in Measurement of Social Inequalities in Health.
The description and explanation of social inequalities in health are affected by the quality and availability of data on health and social processes. These challenges are compounded in cross-national studies attempting to make inferences across social contexts, where issues of data harmonization loom large. Presentations in this session will tackle questions such as: Which concepts are suitable to collect data that are pertinent, cost effective and easy to integrate in general surveys? Which approaches produce data that are less affected by selection effects (e.g., survivor bias)? Which social mechanisms produce biases in health data? What contribution may physical or biologic measures of health conditions (biomarkers) be able to provide for sociological inquiry? To which extent are mortality data suitable for health analysis? What barriers remain in gaining access to administrative or register databases in different countries?
This session invites both theoretical and empirical studies that investigate topics of measuring social inequalities in health. Comparative studies as well as national approaches are welcome.

Session Organizers:

  • Peter Kriwy, Chemnitz University of Technology, Germany, peter.kriwy@soziologie.tu-chemnitz.de,
  • Amelie Quesenel-Vallee, McGill University, Canada, amelie.quesnelvallee@mcgill.ca
  • Lisa Strohschein, Canadian Population Society, Canada, lisa.strohschein@ualberta.ca

Further information: https://isaconf.confex.com/isaconf/wc2018/webprogrampreliminary/Session8542.html

Sozial(arbeits)wissenschaftliche Forschung in der Migrationsgesellschaft. Zwischen kritischer Wissensproduktion und Reproduktion sozialer Ungleichheit

Öffentliche Tagung veranstaltet vom Fachbereich Soziale Arbeit und Gesundheit der Hochschule für angewandte Wissenschaften Kiel, in Kooperation mit der DGS-Sektion Migration und Ethnische Minderheiten und der Friedrich Ebert Stiftung Bonn, 10.–11. Mai 2017 in Kiel.
Durch die nach wie vor aktuelle Flüchtlingsschutzkrise ist die Frage nach dem angemessenen gesellschaftlichen Umgang mit Migration und Flucht auf der politischen Agenda ganz weit nach oben gerückt. In dieser Situation wird von der migrations-wissenschaftlichen Forschung unter anderem erwartet, dass sie Analysen der Ursachen und Folgen von Migration vorlegt; dass sie konkrete Maßnahmen empfiehlt und wissenschaftlich begründet sowie deren Umsetzung begleitet; und dass sie eine Reflektion der moralischen und ethischen Grundlagen der Migrationspolitiken liefert. Die Kooperationsveranstaltung – die zugleich Frühjahrstagung der DGS-Sektion Migration und ethnische Minderheiten ist – verfolgt das Ziel, den Zusammenhang und die Wechselwirkung der migrationswissenschaftlichen Wissenspro-duktionen in den drei Feldern Analyse, Empfehlung und Grundlagenorientierung zu betrachten. Dabei wird insbesondere die sozialarbeitswissenschaftliche Migrationsforschung in den Blick genommen.

Organisation: Prof. Dr. Ayça Polat, Prof. Dr. Gaby Lenz, Doris Neppert (FH Kiel), Dr. Norbert Cyrus (DGS-Sektion MeM), Günther Schultze (FES)
http://www.soziologie.de/uploads/media/16-10_Cfp_Fruehjahrstagung_2017_Kiel.pdf

Sektion Sozialpolitik in der Deutschen Gesellschaft für Soziologie, Jahrestagung der Sektion 2017. Angst im Sozialstaat – Sozialstaat in Angst? 22.–23. Juni 2017 in Berlin.

Flüchtlingskrise, Gewalt im öffentlichen Raum, rechtspopulistische Angstrhetorik als Wahlkampfstrategie – seit Monaten diskutieren Medien und kritische Zeitbeobachter über ein Klima der Angst, welches das Gemeinwesen durchdringe und bei den Regierenden Handlungsdruck bzw. „Angst vor der Angst“ (Tagesspiegel 14.01.16) auslöse. Mit Blick auf die allgemeine Verunsicherung und ihre Konsequenzen an den Wahlurnen wird zuweilen gar konstatiert, dass „die Angst regiert“ (die Zeit 3.3.16). Der Angstdiskurs floriert, und wenngleich er oftmals die Flüchtlingsthematik (und deren politische Instrumentalisierung) fokussiert, so verweist er doch auf tieferliegende Probleme im innern der Gegenwartsgesellschaft. Allerdings bleiben die Hintergründe aktueller „Angstdynamiken“ und ihrer öffentlichen Thematisierung oft im Dunkeln – auch und besonders im Hinblick auf die Rolle des Sozialstaats, der in der entwickelten westlichen Moderne immer auch als angstmindernder „Integrationsstifter“ verstanden wurde. Im Zentrum der Jahrestagung der Sektion Sozialpolitik 2017 soll das Verhältnis von Angst und Sozialstaat stehen, also aktuelle sozialwissenschaftliche Forschung, die dieses Verhältnis direkt oder indirekt in den Blick nimmt, bezogen auf Deutschland oder auch international vergleichend, eher theoretisch-kon-
zeptionell oder eher empirisch. Überall geht es nicht zuletzt um die Frage, wer bzw. was im zeitgenössischen Sozialstaat Angst schürt, wem sie nützt, und was sie anrichtet im Hinblick auf Prozesse des sozialen Ausgleichs und gesellschaftlicher Integration. Kurzum: Wie verändern die Angstdynamiken die Verhältnisse im deutschen Sozialstaat? Müssen wir auf dauer mit einem angstgetriebenen Sozialstaat – einem „Sozialstaat in Angst“ leben, oder sind eventuell sogar gegenläufige Dynamiken erkennbar?

Organisation: Ingo Bode (ibode@uni-kassel.de) und Sigrid Betzelt (sigrid. betzelt@hwr-berlin.de) ➔http://www.soziologie.de/fileadmin/user_upload/Sektionen/Sozialpolitik/CfP_Tagung_Angst_Sek_Sopo.pdf

Arbeitssoziologie und Gesellschaft – Versuch einer Neubestimmung eines dialektischen Verhältnisses. Kongress der Österreichischen Gesellschaft für Soziologie 2017, Graz.
Zeitrahmen: 07.12 bis 09.12.2017.

Das Spannungsverhältnis von Wissenschaft und Gesellschaft, theoretischer Entwicklung und praktischer Anwendung, ist seit jeher prägend für die Arbeits- und Industriesoziologie. In den Nachkriegsjahrzehnten galt sie mit ihrem Fokus auf den technologischen Wandel der fordistisch strukturierten kapitalistischen Produktionsweise als wichtige Ansprechpartnerin der Politik, ein sozialreformerischer Impetus innerhalb der Disziplin war weit verbreitet. Umbrüche in der Organisation des kapitalistischen Produktionssystems, sowie auch umfassende Veränderungen im Bereich des Wohlfahrtstaates, in der Bildung, der Migration, der geschlechtlichen Arbeitsteilung und des Sorgearrangements, in der individuellen Lebensführung oder sich wandelnden Ansprüchen und Notwendigkeiten an (ökologische und soziale) Nachhaltigkeit stellen heute neue Herausforderung an ihre theoretischen Konzepte und Prämissen – aber auch an ihr Verhältnis zur Gesellschaft.
Ist es Aufgabe der Wissenschaft, (praktische) Antworten auf gesellschaftliche Herausforderungen zu liefern und Stellung zu aktuellen politischen und gesellschaftlichen Debatten und Veränderungen zu beziehen? Oder ist gerade in Zeiten des zunehmenden Anwendungs- und Verwertungsdrucks wissenschaftlicher Erkenntnisse eine Grenzziehung und ein Rückzug angebracht? Ist eine solche Grenzziehung überhaupt möglich? Trägt die Wissenschaft mit ihren Erkenntnissen und Begriffen nicht immer auch zur Konstruktion sozialer Wirklichkeit bei und prägt damit – gewollt oder ungewollt – die Gestaltung gesellschaftlichen Zusammenlebens?
In zwei Panels nimmt die ÖGS Sektion Arbeitssoziologie das spannungsgeladene Wechselverhältnis zwischen Wissenschaft und Gesellschaft bzw. Öffentlichkeit (Politik, Sozialpartner, NGOs, Betriebe etc.), Theorie und praktischer Anwendung in den Blick und schafft den Raum 1) für einen Diskurs zwischen Akteuren und Akteurinnen, die sich an der Schnittstelle von Wissenschaft und Öffentlichkeit bewegen, und 2) für eine theoretisch fundierte Auseinandersetzung, welche das wechselseitige Konstitutionsverhältnis von wissenschaftlicher Theoriebildung und Gesellschaft in den Blick nimmt.

Folgende Fragen werden in einer Paneldebatte mit geladenen Gästen aus Wissenschaft (universitäre- wie außeruniversitäre Forschung), Sozialpartnerschaft (Arbeiterkammer, Gewerkschaften, BetriebsrätInnen, etc.), Politik (Ministerien, Behörden, etc.) diskutiert:

  • Wie gestaltet sich das Verhältnis zwischen Arbeitssoziologie und Öffentlichkeit? Wie hat sich dieses Verhältnis gewandelt? Wie verhält sich Fremdbild zu Selbstbild? Wie werden wissenschaftliche Erkenntnisse von AkteurInnen der Praxis wahrgenommen?
  • Welchen Anforderungen muss eine Arbeitssoziologie im 21. Jahrhundert genügen? Kann und soll sie – provokant gefragt – mehr sein als eine andere Form der Unternehmensberatung?
    Wir laden alle Interessierten herzlich ein, mit den geladenen ExpertInnen über das Verhältnis von Arbeitssoziologie und Gesellschaft zu diskutieren.

Organisation und Kontakt:
Carina Altreiter (Universität Wien)
Fabienne Décieux (Johannes Kepler Universität Linz),
Sebastian Nessel (Karl-Franzens-Universität Graz)

Call for Papers

„Umwelt und Gesellschaft – ein Distanzverhältnis?“
Zur 14. Tagung der Nachwuchsgruppe Umweltsoziologie an der Leuphana Universität Lüneburg vom 05.10.2017 bis 06.10.2017. Einsendefrist: 31.5.2017.

Das Entstehen der Umweltsoziologie kann als Reaktion der Soziologie auf die seit den 1970er Jahren als zunehmend dringlich empfundenen ökologischen Probleme und der beschleunigtentechnologischen Entwicklung gesehen werden. Zu den Problemdiagnosen zählen die Endlichkeit von Ressourcen, die Klimaerwärmung und ihre globalen Auswirkungen sowiedie Nebenfolgen des technischen Fortschritts. Obgleich diese Problemlagen sowohl schon lange bekannt als auch ausführlich untersucht sind, stecken Entwicklung und Umsetzung entsprechender technischer, politischer und sozialer Anpassungsstrategien noch immer in den Anfängen. Die diesjährige Tagung der Nachwuchsgruppe Umweltsoziologie betrachtet diese und andere ökologische und umweltpolitische Bruchzonen unter dem Gesichtspunkt der Distanz. Bezeichnet der mathematische Begriff der Distanz einen bestimmbaren Abstand zwischen zwei Punkten in einem Referenzsystem, so ist die Idee, dass
auch eine soziologische Kategorieder Distanz den Blick,anstatt auf partikulare Sachverhalte, auf den Eigenwert dieses Abstands richten kann – und gleichsam reflexiv sensibel für das eigene Beobachtungsinstrumentarium bleibt. Dabei rücken, neben räumlicher und zeitlicher Distanz, auch eine soziale sowie eine sinnhaft-sachliche Dimension von Distanz in den Fokus.

Die Eigenheiten komplexer, global organisierter Wertschöpfungsketten, insbesondere die räumliche Trennung von Ressourcengewinnung, Produktionsstätten und dem Konsum von Gütern, wirken auf die Chancen und Grenzen einer nachhaltigen und umweltschonenden
Gestaltung von Produktionsprozessen. So sehen etwa ökologische Produktionsgemeinschaften mit regionalem Fokus in solidarischem und  gemeinsinnorientiertem Wirtschaftenden Schlüssel zu einer nachhaltigen Lebensweise. Auch scheinen wir uns den Dingen, die wir besitzen, verbundener zu fühlen, wenn wir im Repair-Café gelernthaben, ihre Lebensdauer zu erhöhen. Auch  Klimaveränderungen, ökologische Problemlagen und ihre Folgen scheinen handlungs relevanter zu werden, wenn sie vor Ort spürbar werden oder wenn sie sich gar unmittelbar leiblich aufdrängen. Eine auf diese Phänomene bauende Postwachstumsökonomie schickt sich an, die Distanz zu nachfolgenden Generationen zu überbrücken und so den drohen den Kollaps abzuwenden. Solche und andere Formen der kulturpraktischen oder theoretischen Bewältigung ökologischer Problemlagen – etwa durch Nachhaltigkeits -, Umwelt- und Naturschutzprogramme oder Konzepte einer Postwachstumsökonomie – können als Fragen der Distanz bzw.  als Phänomene von Distanznahme und -verringerung beleuchtet werden. Ist Distanz Ausdruck einer Beziehungsrelation zwischen unterschiedlichen Positionen, Elementen oder Entitäten, wird diese sowohl im Hinblick auf Mensch-Natur-Verhältnisseund personale Identität, Ökologie und Möglichkeiten der Kritik als auch auf Ontologie, Raum und Materialität anschlussfähig – worin zugleich die Frage nach ihrer prinzipiellen Überbrückbarkeit angelegt ist. Neben dem Ansinnen eines theoretisch fruchtbaren Begriffs der Distanz lassen sich hieran praktische Fragen ökologischer Problembearbeitung explizieren, die sich im Spannungsfeld zwischen umweltpolitischen Maßnahmen und individueller Lebensführung bewegen. So ist es zum Beispiel ein prominentes, umweltpolitisches Bestreben, die Distanz zwischen Umweltbewusstsein und Umwelthandeln zu verringern, indem das alltägliche Verhalten durch „nudging“ in effizientere, umwelt-freundlichere oder gesundheitsfördernde Bahnen gelenkt wird.

Hinzu kommt, dass gerade die Soziologie und auch (vielleicht insbesondere) die Umweltsoziologie sich immer wieder damit auseinandersetzt, inwiefern sie selbst an dem Geschehen mitwirkt, das sie als Beobachtungsgegenstand wählt. Wird die eigene Praxis als transformative Wissenschaft verstanden, die zu nachhaltiger Entwicklung aktiv beitragen will oder soll möglichst distanziert, wertfrei und nüchtern beobachtet werden? Wenn Anspruch und Selbst-beschreibung der soziologischen Praxis ein Verstehen und Erklären ist, welche Distanz muss die Wissenschaft zu ihrem Gegenstand halten? Hat auch dieser Abstand einen bestimmbaren Eigenwert?

Mögliche Fragestellungen für Beiträge, die sich aus der Zuwendung zum Begriff der Distanz ergeben, sind unter anderem:

  1. Welche Formen, Qualitäten und Quantitäten von Distanz lassen sich im Rahmen soziologischer Forschung oder in Bezug auf ökologische Problemstellungen beobachten?
  2. Welchen Einfluss haben Distanzen sowie Raumverhältnisse und -verständnisse auf Umweltbewusstsein und -handeln?
  3.  Wie können umweltsoziologische Fragestellungen, über den Begriff der Distanz gedacht und neue Beobachtungsperspektiven für sozialwissenschaftliche Forschung erschließen?
  4. Können Konzeptionen von Distanz für die Betrachtung gesellschaftlicher Naturverhältnisse fruchtbar gemacht werden?
  5. Wie verhält sich die Umweltsoziologie zu ihrem Beobachtungsobjekt?
  6. Wie nahe sind sich transformative Praxis und soziologische Theorie?
  7. Welchen Einfluss haben Distanzen auf die Wahrnehmung und empfundene Dringlichkeit ökologischer Probleme?

Willkommen sind theoretische und empirische Beiträge sowie Angebote für Workshops aus der (Umwelt-)Soziologie und aus anderen Disziplinen, die sich von der Thematik und den Fragestellungen angesprochen fühlen.

Abstracts mit bis zu zwei Seiten bitte bis zum 31.5.2017 an nikolai.drews@leuphana.de.

Organisation:
Gianna Behrendt, Nikolai Drews, Ute Samland
Institut für Soziologie und Kulturorganisation (ISKO)
Scharnhorststr. 1, 21335 Lüneburg

Industrie 4.0 konkret – Ungleichzeitige Entwicklungen, arbeitspolitische Einordnungen. Call for Papers für das Schwerpunktheft der WSI-Mitteilungen 2018. Einsendefrist: 31.05.2017.

Das geplante Schwerpunktheft zur Industrie 4.0 setzt sich zum Ziel, dem aktuellen Umsetzungsstand von Industrie 4.0 vordringlich empirisch nachzugehen. Anhand ausgewählter empirischer Beispiele und Befunde zu relevanten Konflikt- und Gestaltungsfeldern der Digitalisierung von Arbeit soll das technisch fokussierte Leitbild „Industrie 4.0“ vom Diskurs in die Praxis überführt werden, u.a. um so konkrete arbeitspolitische Konsequenzen aufzeigen und diskutieren zu können. Der Call richtet sich an ForscherInnen und PraktikerInnen mit Erkenntnissen aus aktuellen empirischen Projekten zu relevanten Umsetzungsfeldern, die unter dem Label „Industrie 4.0“ verhandelt werden. Es geht also nicht um die Visionen und Entwicklungsszenarien, die im Rahmen des Leitbilds
entfaltet werden, sondern um konkrete, im Betrieb, bei den Beschäftigten und ihren Interessenvertretungen spürbare und wirksame, möglicherweise zukünftig folgenreiche Entwicklungen. Dabei soll der Fokus auf Industrie 4.0 im engeren Sinne liegen – d.h. produzierende Branchen und produktionsnahe Dienstleistungen sollen im Mittelpunkt stehen. Das schließt auch IT- und Engineering-Dienstleistungen oder in Wertschöpfungsketten produzierender Unternehmen integrierte Logistik- und Transportprozesse ein und kann bis in den Handel reichen. Innerhalb produzierender
Unternehmen soll der Blick auch auf Arbeit treffen, die jenseits des Hallenbodens durch Industrie 4.0 verändert wird: die indirekten Bereiche (z.B. im Engineering, in Arbeitsvorbereitung und -planung, Beschaffung und Versand, Intralogistik oder Service).
Beiträge sind zum Beispiel zu den folgenden Gestaltungsfeldern möglich:

  • Veränderungen der Mensch-Maschine-Interaktion bzw. -Kooperation inklusive neuer Formen
    der Programmierung und Umrüstung, z.B. im Kontext von neuen Ansätzen der Robotik (adaptiv,
    zweihändig, Leichtbau) oder des Einsatzes von Wearables und Assistenzsystemen;
  • Veränderungen von Arbeitsprozessen und Tätigkeitsschneidungen z.B. im Kontext der
    Intralogistik, etwa durch autonome Fahrzeuge, Drohnen etc.;
  • Anforderungen zunehmend digital vernetzter unternehmensinterner und (ggf. weltweiter)
    unternehmensübergreifender Kollaboration (in der Cloud oder virtuellen Teams) und der (Teil-)
    Automatisierung des Kundenkontakts (z.B. Einblick in Lager- und Bearbeitungsbestände und
    automatisierte Angebots- und Rechnungsstellung, plattformvermitteltes Crowd-Work, Einsatz
    von KI am Telefon etc.);
  • eine veränderte Rolle des Menschen und seiner Expertise durch Big Data, autonome Systeme
    oder Deep Learning, z.B. in Service, Instandhaltung oder Beschaffung, aber auch durch
    algorithmenunterstütztes Personalmanagement (Personaleinsatz, Recruiting, Kompetenz-
    Matching, Web-Profile, Beurteilungen etc.).

Die empirischen Artikel sollen auch auf konzeptioneller Ebene konkret werden, zum Beispiel im Hinblick auf:

  • den aktuellen Stand der technischen Umsetzung von Industrie 4.0;
  • die Formen der organisationalen und formalen Einbindung;
  • das Aufzeigen übertragbarer Umsetzungsmodelle und die Sondierung typischer Hindernisse und
    Konfliktfelder;
  • die Identifikation eingeschlagener Entwicklungspfade und konkreter Weichenstellungen;
  • Aspekte von Mikropolitik bei der konkreten Einführung und Umsetzung und die dabei adressierten
    Leitbilder sowie ihre Grenzen;
  • die Veränderungen der Rolle des Menschen, die Relevanz von humaner Arbeitskraft, Arbeitsvermögen,
    Erfahrungswissen, informellem Handeln, Subjektivität etc. sowie entsprechende
    (Frei-)Räume;
  • Grundlagen zur Digitalisierung, wie verteilte Handlungsträgerschaft, verallgemeinerbare Prinzipien
    der Informatisierung, neue Arrangements in sozio-technischen Systemen etc.;
  • das Zusammenspiel von Technisierung und Ökonomisierung und neue Formen der Einbettung
    der Digitalisierung in Wertschöpfungssysteme;
  • das Aufzeigen persistenter Grenzen der Digitalisierung und Automatisierung.

Die Beiträge sollten die empirischen Erkenntnisse insbesondere im Hinblick auf ihre konkreten arbeitspolitischen Konsequenzen (inklusive der Herausforderungen für die Interessenvertretungen) analysieren und systematisieren, z.B.:

  • Gestaltungsbeispiele und ggf. Defizite und Risiken in Bezug auf gute Arbeit, insbesondere
    Gesundheit, Nachhaltigkeit, Lernförderlichkeit etc.;
  • Folgen für Beschäftigung, Qualität der Arbeit und Qualifikation;
  • Aspekte der Leistungssteuerung, Macht, Mikropolitik;
  • Implikationen für die Arbeits- und Interessenpolitik, rechtliche Rahmung etc.;
  • Vorschläge für eine partizipative Gestaltung, Konzepte und Leitfäden im Umgang mit Digitalisierungsmaßnahmen.

Insgesamt soll das Schwerpunktheft damit für das Thema Industrie 4.0 einen Überblick zum aktuellen Stand der Herausforderungen fortschreitender Digitalisierung in der Arbeitswelt bieten und den empirischen Wissensstand wie auch dessen Lücken resümieren.
Im Mittelpunkt steht dabei die Agenda, durch einen engen Praxisbezug (über Laboratorien und Modellfabriken hinaus) ein möglichst valides und differenziertes Bild aktueller und künftiger Digitalisierungsprozesse zu zeichnen und jenseits technik-deterministischer Narrationen Gestaltungsbedarfe und -optionen aufzuzeigen. Eine besondere Betonung sollte deshalb auf einer hohen Sensibilität für die Komplexität sozio-technischer Systeme in der Praxis sowie für die Reichhaltigkeit von menschlicher Arbeitskraft liegen und zudem die Übertragbarkeit diskutiert werden.
Bei Interesse muss bis zum 31.05.2017 eine Interessenbekundung (ca. 1-2 Seiten) eingereicht werden, aus der das Gestaltungsfeld, der konzeptionelle Fokus und die arbeitspolitische Relevanz hervorgehen sowie die Reichhaltigkeit und der Stand der Empirie erkennbar sind. Die Abgabe der kompletten Beiträge erfolgt dann zum 15.08.2017. Das Schwerpunktheft wird Anfang 2018 erscheinen.

Redaktionshinweise: http://www.boeckler.de/wsi-mitteilungen_45196.htm
Kontakt: Frank Seiß Frank.Seiß@isf-muenchen.de

Arbeitssoziologie und Gesellschaft – Versuch einer Neubestimmung eines dialektischen Verhältnisses. Call for Papers im Rahmen des Kongress der Österreichischen Gesellschaft für Soziologie 2017 vom 07.12. bis 9.12.2017 in Graz. Einsendefrist: 01.06.2017.

Das zweite Panel lädt zu einer kritischen Reflexion arbeitssoziologischer Denkweisen ein und begrüßt Beiträge, die sich u.a. mit folgenden Fragen beschäftigen:

  • Wie haben sich die theoretischen Prämissen (Paradigmen) in der Arbeitssoziologie vor dem Hintergrund sozialer und ökonomischer Veränderungen gewandelt, und wie wirken diese auf die Konstruktion von sozialer Wirklichkeit?
  • Wie können vorherrschende arbeitssoziologische Interpretationen sozialer Wirklichkeit (des sozialen Wandels) aus einer wissenschafts- und herrschaftskritischen Perspektive gefasst werden?
  • Kann und soll die Arbeitssoziologie einen Beitrag zur emanzipatorischen Gestaltung von Gesellschaft leisten?
  • Welche mitunter politischen Konsequenzen haben unsere Analysen (vgl. Ulrich Beck oder Anthony Giddens)?

Interessierte werden gebeten einen Abstract zum geplanten Vortragsthema (ca. 300 – 500 Wörter) mit Angabe von Namen, Institution und E-Mail Adresse bis 1. Juni 2017 als PDF an arbeitssoziologie.oegs@gmail.com zu schicken. Rückmeldungen über die Annahme erfolgen bis Anfang Juli 2017.

Organisation und Kontakt:
Carina Altreiter (Universität Wien),
Fabienne Décieux (Johannes Kepler Universität Linz),
Sebastian Nessel (Karl-Franzens-Universität Graz)

Auswirkungen des gesetzlichen Mindestlohns. Call for Papers im Rahmen eines Workshops der Geschäfts- und Informationsstelle für den Mindestlohn (Geschäftsstelle
der Mindestlohnkommission) am 12. und 13. September 2017 in Berlin. Einsendefrist: 11.06.2017.

Zum 1. Januar 2015 wurde in Deutschland erstmals ein allgemeiner gesetzlicher Mindestlohn eingeführt. Die Auswirkungen des Mindestlohns sind Gegenstand vieler wissenschaftlicher Forschungsprojekte. Vor diesem Hintergrund organisiert die Geschäfts- und Informationsstelle für den Mindestlohn (Geschäftsstelle der Mindestlohnkommission) am 12. und 13. September 2017 einen Workshop zum wissenschaftlichen Austausch über aktuelle Arbeitsergebnisse der Mindestlohnforschung. Neben der Vorstellung von Arbeitsständen ist auch die Präsentation und Diskussion hinreichend konkreter Projektentwürfe möglich. Willkommen sind quantitative und qualitative empirische Beiträge, die sich auch auf spezifische Zielgruppen, Regionen oder Branchen beschränken können. Interessierende Themen entlang der gesetzlichen Evaluationskriterien (vgl. auch erster Bericht der Mindestlohnkommission) sind:

  • Auswirkungen des Mindestlohns auf den Schutz der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer (z.B. Lohnstruktur, Erwerbsbiografien, soziale Sicherung, „Aufstocker“, Umsetzung des Mindestlohns)
  • Auswirkungen des Mindestlohns auf die Beschäftigung (z.B. Beschäftigungsniveaus, Beschäftigungsformen, Arbeitszeit, Arbeitslosigkeit, Ausbildungsgeschehen)
  • Auswirkungen des Mindestlohns auf die Wettbewerbsbedingungen (z.B. betriebliche Anpassungsmaßnahmen, Produktivität, Wettbewerbssituation bzw. -intensität, makroökonomische Indikatoren)

Vortragsangebote zu aktuellen Forschungsprojekten (Vorstellung von Zwischenergebnissen laufender Projekte, von Arbeitspapieren etc.) können in Form von aussagekräftigen Exposés (max. 5.000 Zeichen) bis zum 11. Juni 2017 eingereicht werden. Bitte senden Sie Ihren Beitrag per E-Mail an die Adresse geschaeftsstelle@mindestlohn-kommission.de. Eine Rückmeldung über die Annahmeentscheidung erhalten Sie bis zum 28. Juni 2017. Die Veranstaltung wird vom Vorsitzenden der Mindestlohnkommission, Jan Zilius, begleitet. Tagungsgebühren werden nicht erhoben. Reisekosten werden entsprechend der Richtlinien des Bundesreisekostengesetzes (BRKG) erstattet. Die Veranstaltung findet in den Räumen der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Nöldnerstraße 42-44, 10317 Berlin statt.

Bei Fragen können Sie sich gerne an die Geschäftsstelle der Mindestlohnkommission wenden:
geschaeftsstelle@mindestlohn-kommission.de, Telefon 030/51548-4194.

Stadt-Land-Bündnisse für ein nachhaltiges Ernährungssystem. Call for Papers für die Herbsttagung der Sektion Land-, Agrar- und Ernährungssozio-logie vom 24.11. bis 25.11.2017 an der Leibniz Universität Hannover. Einsendefrist: 20.06.2017.

Das moderne Ernährungssystem basiert auf einer Reihe systematischer Trennungen: der Trennung von Produktion und Konsum, der Trennung der landwirtschaftlichen Produktion von ihren Produktionsmitteln und ihren lokalen Gemeinschaften, der räumlichen Trennung von Land und Stadt sowie der Trennung der wissenschaftlichen Disziplinen von Agrarwissenschaft und Ernährungswissenschaft. Diese, in Anlehnung an Giddens‘ Terminologie, räumliche und soziale „Entbettung“ der Landwirtschaft geht einher mit ihrer Integration in zunehmend globa-lisierten Warenketten (food chains) und nationalen sowie internationalen Regulierungsregi-men. Dieses Ernährungssystem wird zunehmend als nicht nachhaltig und fragil bewertet. Das fand auch seinen Niederschlag im jüngst abgeschlossenen „Dialog Landwirtschaft“ des Bun-desumweltministeriums, in dem eine soziale und ökologische Landwirtschaft gefordert wurde. Nach und nach scheint sich die Erkenntnis auf breiter Ebene durchzusetzen, dass das Ernäh-rungssystem von Grund auf transformiert werden muss, damit die ökologischen Grundlagen der Gesellschaft erhalten werden können. Wie das Ziel und der Weg zu einem nachhaltigen Ernährungssystem aussehen können, ist der Komplexität des Unterfangens der gesellschaft-lichen Transformation eines über zwei Jahrhunderte in einem ko-evolutionären Prozess ver-flochtenen Systems von Institutionen, physischer Infrastruktur und Technologien geschuldet, noch unklar.

In dieser Tagung möchten wir insbesondere solche Strukturen und Bündnisse in den Blick
nehmen, die auch die Stadt-Land-Beziehungen neu definieren. Aus soziologischer Sicht stellen sich dazu u. a. folgende Fragen:

  • Was sind die Voraussetzungen und Formen/Geschäftsmodelle dauerhaft erfolgreicher
    Stadt-Land-Kooperationen?
  • Gibt es eine ökologische Agrarfrage? Inwieweit lässt sich die These einer „repeasantisation“ (van der Ploeg 2006) bestätigen? Welche Rolle spielen neue landwirtschaftliche Betriebskonzepte (z. B. solidarische Landwirtschaft)?
  • Welche Vorstellungen, Ideen und Deutungen von nachhaltiger Landwirtschaft, nachhaltiger Ernährung und Region(alität) teilen die beteiligten Akteure und wie werden diese kommuniziert?
  • Wer sind die Akteure und sozialen Milieus und wie sind soziale Arrangements (z. B. in
    Bezug auf die Geschlechterverhältnisse oder die Sozialstruktur) gestaltet?
  • Werden ökologische Effekte (welche und wie) erfasst und beschrieben? Welche Wissensressourcen/-formen werden dazu genutzt? Entsprechen die ökologischen Effekte
    den Erwartungen der beteiligten Akteure und wie gehen diese mit ggf. kontroversen Effekten um? Welchen Stellenwert haben weitere Auswirkungen etwa für die Lebensqualität?
  • Mit welchen Entwicklungsbarrieren sehen sich die neuen Organisations- und Governance-Strukturen konfrontiert? Inwieweit lassen sich die gefundenen Lösungen auf andere Kontexte übertragen?

Diese und andere Fragen möchten wir im Rahmen dieser Tagung thematisieren. Abstracts mit
max. 2500 Zeichen können bis spätestens 20. Juni 2017 per E-Mail an die Adresse
buendnisse@landforschung.de eingereicht werden.

VeranstalterInnen:

  • Jana Rückert-John, Hochschule Fulda, Fachbereich Oecotrophologie, Lehrstuhl für die Soziologie des Essens, Fulda
  • Tanja Mölders, Leibniz Universität Hannover, gender_archland, Hannover
  • Rosemarie Siebert, Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung, Institut für Sozioökonomie, Müncheberg
  • Lutz Laschewski, Hanseatic Institute for Entrepreneurship and Regional Development an der Universität Rostock, Rostock
  • Annett Steinführer, Johann Heinrich von Thünen-Institut, Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei, Institut für Ländliche Räume, Braunschweig

Kultur als zweite Natur? Call for Papers im Rahmen der Autumn School zwischen 16.10.2017 – 18.10.2017 des Clusters I „Kultur und Lebensform“ des Forschungsschwerpunktes „Kulturelle Orientierung und normative Bindung“ der Universität Koblenz-Landau. Einsendefrist: 01.07.2017.

Die Autumn School richtet sich an Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler (Doktorandinnen/Doktoranden, Post-Doktorandinnen/-Doktoranden) aus den Bereichen Pädagogik, Philosophie und Soziologie sowie angrenzenden Disziplinen, die Forschungsvorhaben rund um die Begriffe „Kultur“, „kulturelle Praxis“, „Handeln“ und „Verbindlichkeit“ verfolgen und Interesse haben, ihre Überlegungen anhand eines Vortrags mit ausgewiesenen Fachvertreterinnen und -vertretern zu diskutieren.

Die Rede von der „zweiten Natur“ kann Verschiedenes bedeuten. Eine Verwendungsform geht auf Aristoteles zurück, der Gewohnheiten als unsere zweite Natur charakterisiert. In
diesem Sinne sagen wir auch alltagssprachlich, dass uns eine Handlungs- oder Herstellungsweise in „Fleisch und Blut“ übergegangen sei. Und tatsächlich bewegen wir uns alltäglich innerhalb von selbstverständlichen Verbindlichkeiten, indem wir unseren Alltag bewältigen und gestalten. Damit eröffnet dieses Verständnis einen Blick sowohl auf kulturelle Praktiken und deren Verbindlichkeit sowie auf die generelle Bedeutung kultureller Orientierung, indem wir alltäglich impliziten Normen folgen.
Ein weiterer Gebrauch steht in der Tradition von Hegel und Marx und eröffnet eine Gegenüberstellung der Begriffe „Kultur“ und „Natur“. Demnach ist die zweite Natur die bearbeitete erste Natur. Die Philosophische Anthropologie des 20. Jahrhunderts findet im Resultat dieser Arbeit die Kultur als Inbegriff des von Menschen Hervorgebrachten. Für Arnold Gehlen ist die Kultur die Kompensationsleistung für die bloß mangelhafte Ausstattung der menschlichen Natur: Der Mensch muss selbst für das aufkommen, was ihm die Natur versagt. Nach Plessner ist der Mensch von Natur aus auf Kultur angelegt, weil er als exzentrisches Wesen sein Leben führen muss und sich so erst zu dem macht, der er ist. Schließlich wären noch die Versuche im Ausgang von der Evolutionstheorie seit der Mitte des 19. Jahrhunderts zu nennen, menschliche Kulturleistungen naturgeschichtlich aus einer „Vorgeschichte der Moral“ herzuleiten.
Die Ableitung der menschlichen Kultur mit ihren Normen, Handlungs- und Lebensformen sowie Institutionen aus einem (bloß gedachten oder rekonstruierten) Naturzustand wirft Fragen auf, denen sich die Autumn School widmen möchte. Das grundsätzliche Problem lautet, ob (und gegebenenfalls wie) eine Naturgeschichte der Kultur überhaupt vernünftigerweise konstruiert werden kann. Überdies lohnt es sich, den Spieß umzudrehen und zu fragen, weshalb das von Menschen Gemachte als etwas Naturgegebenes aufgefasst wird. Möglicherweise erweist sich, wie bereits Adorno bemerkt, die zweite Natur als die in Wahrheit erste. Wenn wir geschichtlich und gesellschaftlich Hervorgebrachtes als Natur ansehen, erzeugen wir nach Roland Barthes Mythen. Die Naturalisierung von Normen und Institutionen entzieht diese der Kritik. Außerdem fällt auf, dass der Begriff der Natur unbestimmt zumeist als selbstverständlich vorausgesetzt wird, was er keineswegs ist. Was ist eigentlich so attraktiv daran, Kultur in irgendeiner Hinsicht als (erste oder zweite) Natur zu begreifen? Wie verhält sich die Konstellation „erste und zweite Natur“ angesichts der alltäglich vollzogenen kulturellen Praktiken und der Selbstverständlichkeit kultureller Orientierung?

Ihre Antworten auf den Call for Papers mit bis zu 500 Worten senden Sie bitte bis zum
01.07.2017 an schimmer@uni-landau.de. Sie bekommen von den Veranstaltern der Autumn
School bis zum 31.07.2017 eine Rückmeldung auf Ihre Einsendung.

Reise- und Übernachtungskosten werden übernommen.

Weitere Informationen zu den Veranstaltern und ihrer Zusammenarbeit finden Sie unter
www.kulturelle-orientierung.de

Für Rückfragen können Sie sich jederzeit an Thomas Schimmer, Koordinator des Forschungsschwerpunktes
am Campus Landau, wenden: schimmer@uni-landau.de, Telefon: 06341 /
28032282.

Generationengerechtigkeit messen. Call for Papers zur Vergabe des 6. Demografie-Preis für Nachwuchswissenschaftler 2016/2017. Einsendefrist: 01.07.2017.

THEMENAUFRISS
In den vergangenen Jahren hat das Interesse, Generationengerechtigkeit und das Wohlbefinden junger Menschen (als distinkte Gruppe innerhalb einer Gesellschaft) zu messen und zu vergleichen – sowohl zwischen verschiedenen Ländern (räumlich), als auch im zeitlichen Sinne – immer mehr zugenommen. Diesem Forschungsgebiet liegt die Vermutung zugrunde, dass das Wahlvolk dazu tendiert, eigennützig zu handeln und seine kurzfristigen Interessen auf Kosten der nachrückenden Generationen durchzusetzen. Dies wird zum Beispiel deutlich durch Faktoren wie hohe Staatsschulden, eine hohe Jugendarbeitslosigkeit und –armut und wiederkehrende ökologische Krisen.

2013 veröffentlichte die Bertelsmann Stiftung unter der Leitung von Pieter Vanhuysse (UN European Centre for Social Welfare Policy and Research) eine Studie, in welcher 29 OECDStaaten auf der Basis von vier Indikatoren miteinander verglichen wurden: die öffentliche Verschuldung pro Kind; der ökologischer Fußabdruck, der von allen Generationen, die gegenwärtig leben verursacht wird; das Verhältnis von Kinder- und Altersarmut; und die Verteilung der Sozialausgaben unter den Generationen („elderly-bias indicator of social-spending”, EBiSS). Diese Maße wurden schließlich zum „Intergenerational Justice Index“ aggregiert – dem ersten seiner Art. Ein ähnlicher Versuch, das Wohlbefinden der Jugend zu messen, ist der „Youthonomics Global Index”. Er wurde 2015 von einem französischen Think tank desselben Namens veröffentlicht und analysiert die Situation junger Menschen in 64 westlichen und nicht-westlichen Ländern durch den Einsatz von nicht weniger als 59 verschiedenen sozialen, ökonomischen und politischen Indikatoren. Der jüngste Index in dieser Reihe ist der „European Index of Intergenerational Fairness”, der Anfang 2016 von der Intergenerational Foundation (IF) herausgebracht wurde. Der Index misst anhand quantitativ erhobener Daten, wie sich die Lage junger Menschen EU-weit verändert hat. Seine 13 Indikatoren beinhalten die Kosten für das Wohnen, die Staatsschulden, die Ausgaben für Renten und Bildung, Partizipation innerhalb der Demokratie und Zugang zur Hochschulausbildung. Die Forschungsergebnisse machen darauf aufmerksam, dass sich die Aussichten junger Menschen EU-weit hin zu einem Zehn-Jahre-Tief verschlechtert haben.

Wettbewerbsbeiträge können sich der Thematik ausgehend von einem breiten Spektrum an
Fragen annähern, das folgende Punkte beinhaltet:

  • Welche methodischen Fallen gibt es beim Messen von Generationengerechtigkeit,
    und wie können diese vermieden werden? Sind die bestehenden Modelle intern valide und in welchem Umfang erlauben sie Verallgemeinerungen? Wo liegen potentielle Quellen der Verzerrung aufgrund von Stichprobenselektion (selection bias) und von Messfehlern?
  • Sind die jeweiligen Indikatoren, durch die Generationengerechtigkeit gemessen werden kann, hinreichend und angemessen oder sollten sie ergänzt werden? Falls ja, wie genau? Sind die Indikatoren ausreichend fundiert und gut operationalisiert? Erlauben sie das Reproduzieren von Daten?
  • Wie gut reagieren „alternde Gesellschaften“ wie zum Beispiel Deutschland, Schweden
    oder Finnland auf die Herausforderungen der Generationengerechtigkeit (in einem Querschnitts- oder Zeitreihen-Vergleich)? Wie im Besonderen – falls überhaupt – sind sie darin erfolgreich, die Sozialausgaben zwischen den Jungen und den Alten auszubalancieren, und welche Maßnahmen sollten sie in dieser Hinsicht ergreifen?
  • Ist Generationengerechtigkeit, wie sie durch die verschiedenen Indizes gemessen wird, im Hinblick auf die Länderrankings eine Variable unter vielen – wie korreliert sie zum Beispiel mit alternativen Rankings (sozio-ökonomisch oder anders geartet), und was könnte uns dies lehren? Können die Berechnungsmethoden von Indizes wie der HDI, der HWI, der Happy Planet Index etc. so abgewandelt werden, dass sie allein die Jungen in den Blick nehmen?
  • Was sind erfolgversprechende politische Optionen, um bestehende Ungerechtigkei-ten zwischen den Jungen und den Alten zu verringern? Wie könnten sie umgesetzt werden?
  • Welche Maßnahmen bezüglich der Ausgestaltung von Institutionen könnten ergrif-fen werden, um die Marginalisierung junger Menschen und zukünftiger Generatio-nen im politischen Entscheidungsprozess zu verhindern? Sollte zum Beispiel das Wahlrecht ausgeweitet oder sogar universalisiert werden, um die gegenwärtig Ausgeschlossenen einzubeziehen, und was wären die voraussichtlichen Folgen eines solchen Schritts?

Beachten Sie bitte, dass dies unverbindliche Vorschläge sind: Die Wettbewerbsteilnehmer werden ausdrücklich dazu ermutigt, ihre eigenen Beitragsfragen oder Forschungsrätsel zu stellen; so lange, wie sie auf klare, angemessene Art und Weise zum übergeordneten Thema dieses Aufrisses passen. Es sind Einsendungen aus allen Disziplinen der Sozialwissenschaf-ten willkommen, was die Politikwissenschaften, die Soziologie, die Wirtschaftswissenschaf-ten oder Rechtsstudien einschließt (aber nicht auf diese begrenzt ist). Philosophen und/oder Ethiker sind eingeladen, anwendungsbezogene normative Forschung beizusteuern.

KONTAKT
Für weiterführende Informationen wenden Sie sich bitte an das SRzG-Büro, unter der E-Mail-Adresse kontakt@srzg.de

LITERATUREMPFEHLUNGEN
Leach, J., Broeks, M., Østensvik, K. S., & Kingman, D. 2016. European intergenerational fair-ness index: A crisis for the young. London: Intergenerational Foundation.

Vanhuysse, P. 2013. Intergenerational justice in aging societies: A cross-national comparison of 29 OECD countries. Bertelsmann-Stiftung. http://www.sgi-network.org/pdf/Intergenerational _Justice_OECD.pd

Youthonomics (Hg.) 2015. Youthonomics global index 2015: Putting the young at the top of the global agenda. Paris.

Digital Health: Sociological Perspectives. 26th Sociology of Health & Illness Monograph.  EditorInnen: Flis Henwood und Benjamin Marent. Einsendefrist: 31.07.2017.

Today, where a new generation of mobile digital technologies are increasingly embedding into the organisation and practices of healthcare, digital health has become an increasingly important topic in studies of health and illness. The 26th Sociology of Health & Illness Monograph will bring together theoretical and empirical contributions to progress a distinctive sociological understanding of this rapidly developing and globally significant field. The monograph will be published in January issue of the journal in 2020 (online in December 2019). It will explore how sociological theories and methodologies are being developed and applied in analysing the coevolution of digital technology and healthcare practices by addressing the following cross-cutting themes:

Digital subjectivities: Topics coming under this theme might explore how patients, carers and professionals are positioning themselves towards digital technologies and which role expectations and responsibilities are enacted by health apps and digital care pathways. Contributions are welcome that emphasis the emotions and embodiments that are produced and the strategies patients and professionals follow by engaging in or resisting digital health.
Digital knowledges: We invite contributions that examine practices of collecting, sharing and sensemaking of quantified health data. Thereby, the ambiguities inherent in quantified data and its negotiations with embodied, experiential or expert knowledge might be addressed. Particularly, we seek perspectives that explore new forms of labour involved in producing quantified data and generating health information and how these practices reconfigure lay knowledge, medical authority, and produce new forms of commodification.

Digital networks: Contributions are invited that theorise and explore the digital culture of connectivity and its consequences for patient-professional interactions, organisation of healthcare delivery, and everyday mobilities. Here the relationship between closeness and distance in remote forms of care might become subject of discussion, particularly as applied in rural areas and the global south. Other topics might include new forms of integration and collaboration within virtual hospitals and communities of care. We welcome contributions investigating issues of power, surveillance, and privacy along the emergence of digital health networks.

Digital temporalities: This theme addresses the instantaneity through which health information is provided by digital technologies, giving rise to new constructions of illness histories and projections. We invite contributions that assess how patients and professionals experience the need for action created through instantaneity and how ‘present pasts’ and ‘present futures’ are enacted within current practices of self-care and treatment.

The monograph will appear both as a regular issue of the journal and in book form in January
2020.

Potential contributors should send an abstract of up to 600 words to b.marent@brighton.ac.uk by 31st July 2017. Abstracts should clearly indicate the proposed
paper’s sociological importance. Informal email enquiries prior to submission are welcome.
Name and institutional affiliation of author(s) should also be supplied, including full contact
details.

Proposals will be reviewed by the monograph team and potential authors notified by 30
September 2017. These short-listed authors will be invited to submit their work by 31 January
2018. Submissions will be refereed in the usual way and should follow the journal’s style
guidelines (http://onlinelibrary.wiley.com/journal/10.1111/%28ISSN%291467-
9566/homepage/ForAuthors.html)

Auf dem Weg in die Pre-Crime Society? Analysen zur Vorfeldorientierung in Alltagskontexten. Call of Submissions für das KrimJ-Schwerpunktheft 02/2018. Einsendefrist: 30.09.2017.

Dass unser gegenwärtiges Zusammenleben zunehmend dem in einer ‚Sicherheitsgesellschaft‘ gleicht, da zum einen dem Gebot der Sicherheit in nahezu allen gesellschaftlichen Bereichen oberste Priorität zuzukommen scheint („securitization“, Buzan/Wæver/de Wilde 1998), zum anderen stets mit der Etablierung zusätzlicher Überwachungsmaßnahmen auf diese Imperative reagiert wird, kann einstweilen als festes Element des zeitgenössischen kriminologischen Kanons bezeichnet werden (z. B. Legnaro 1997; Albrecht 2010; Singelnstein/Stolle 2012; Groenemeyer 2013). Ein Kernelement einer so verstandenen Sicherheitsgesellschaft ist nicht nur die ubiquitäre Konstruktion und Thematisierung von Risiken, sondern ebenso der zunehmend frühzeitige, präventiv motivierte Eingriff, um der Entstehung potenzieller sicherheitsgefährdender Ereignisse zuvorzukommen. Insbesondere mit Bezug auf die anti-terroristischen Gesetzgebung im Nachgang von 9/11 – aber auch schon vorher (Legnaro 1997: 276f.) – wurde auf die zunehmende Vorverlagerung von Kontroll- und Überwachungs-maßnahmen hingewiesen, sowie auf die damit zusammenhängende Fokussierung des strafrechtlichen Vorfelds (Albrecht 2010: 155, Singelnstein/Stolle 2012: 66ff.). Einige Kommentator_innen sehen im Zuge dessen einen ‚Hyperpräventionalismus‘ (Frankenberg 2010) am Werk, der dem Entstehen eines „Präventionsstaat(s)“ (für viele: Huster/Rudolph 2008; Brunhöber 2016) bzw. einer „präventiven Sicherheitsordnung“ (von Trotha 2010) Vorschub leiste. In deren Kontext würden vorfeldorientierte („präemptive“) Interventionslogiken dominieren, die gänzlich oder partiell von konkreten Verdachtsmomenten abstrahieren, sich auf diffuse Bedrohungslagen stützen und die auf diese Weise Ereignisse zu verhüten gewillt sind, die hinsichtlich ihres Eintrittszeitpunkts und ihrer Erscheinungsformen nahezu durchweg unbekannt sind (z. B. Anderson 2010: 789f; Krasmann 2011: 54; Opitz 2012: 287ff.). Die komplementäre gesellschaftsdiagnostische Annahme, dass Prävention „die dominante Ratio (ist), unter der zeitgenössische Gesellschaften ihr Verhältnis zur Zukunft verhandeln und organisieren“ (Bröckling 2012: 93) kann somit auch für die Kriminologie gewendet werden: wir seien geradewegs, so Lucia Zedner, auf dem Weg in eine „pre-crime society“ (2007; vgl. a. McCulloch/Wilson 2016), in der der Antizipation zukünftiger Gefahren (zunehmend) überragende Bedeutung beigemessen und auf diese Weise die eigentliche reaktive Logik des Strafrechtssystems sukzessive unterminiert werde. Eine wichtige, bislang noch nicht hinreichend empirisch unterfütterte und ausdifferenzierte These in diesem Diskurs der Sicherheitsgesellschaft bzw. pre-crime society besagt, dass die beobachtbaren Vorverlagerungs-Prozesse bei den Institutionen der strafrechtlichen Sozialkontrolle auch in den gesellschaftlichen Alltag durchsickern und mithin auf weniger drastische Handlungen als die der Terrorismusabwehr angewendet würden (z. B. Zedner 2009: 86). Eben diese These soll im anvisierten Themenheft theoretisch reflektiert und empirisch gestützt adressiert werden.

Wir rufen daher dazu auf, Beiträge einzureichen, die anhand von empirischen
Fallbeispielen die Alltäglichkeit präemptiver Maßnahmen theoretisch informiert und
empirisch fundiert darlegen.

Die Beiträge sollten z. B. folgende Dimensionen bzw. Fragen behandeln:
Praktiken/Technologien: Anhand welcher empirischer Beispiele lässt sich die zunehmende Vorfeldorientierung auch im gesellschaftlichen Alltag beobachten? An welchen Kriterien und empirischen Beobachtungen ist dies feststellbar? Welche neuen Technologien finden hierbei eine Berücksichtigung bzw. welche bestehenden Technologien werden einer neuen Nutzung
zugeführt?

Rationalität: Wie werden vorfeldorientierte Maßnahmen legitimiert? Wer sind die wesentlichen beteiligten Akteur_innen und was sind deren Interessen? Was wird den vorgreifenden Maßnahmen an Sicherheitsgewinnen zugesprochen?

Recht: Welche Aushandlungen zu gesetzlichen Änderungen im Sinne der Vorfeldorientierung sind zu notieren? Welche gesellschaftlichen und/oder praktischen Implikationen bzw. Folgen
gehen mit den jeweiligen Vorfeldmaßnahmen einher?

Für alle Dimensionen: Welche Unterschiede lassen sich zwischen ‚herkömmlichen‘ präventiven und vorfeldorientierten- bzw. präemptiven Maßnahmen erkennen?

Wir freuen uns über theoretisch eingebettete, an empirischen Fallbeispielen orientierte Beiträge (max. 45.000 Zeichen, inkl. Leerzeichen) bis zum 30. September 2017 per E-Mail an den geschäftsführenden Redakteur des KrimJ, Dirk Lampe (dlampe@uni-bremen.de). Bitte orientieren Sie sich bei der Erstellung der Manuskripte an den entsprechenden Richtlinien des Kriminologischen Journals. Inhaltliche Rückfragen richten Sie bitte an die Herausgeber_innen dieses Schwerpunktheftes: Bettina Paul (bettina.paul@uni-hamburg.de) und Simon Egbert (simon.egbert@wiso.unihamburg.de).