Heft 4, Jg. 67, 2015

Abhandlungen

Literaturbesprechungen

Soziologische Theorie

  • Levine, Donald N.: Social Theory as a Vocation. Genres of Theory Work in Sociology (Christian Fleck)

Soziologie der Ungleichheit

  • Boatcâ, Manuela: Global Inequalities: Beyond Occidentalism (Max Haller)

Soziologiegeschichte

  • Kaube, Jürgen: Max Weber. Ein Leben zwischen den Epochen (Johannes Weiß)

Methoden

  • Domínguez, Silvia, und Betina Hollstein (Hrsg.): Mixed Methods Social Network Research. Design and Applications (Dzifa Ametowobla)
  • Sammelbesprechung: Alvesson, Mats: Interpreting Interviews.
  • Roulston, Kathryn: Reflective Interviewing. A Guide to Theory and Practice.
  • Kruse, Jan: Qualitative Interviewforschung. Ein integrativer Ansatz.
  • Witzel, Andreas, und Herwig Reiter: The Problem-centred Interview (Carsten G. Ullrich)

Arbeitssoziologie

  • Wyer, Bettina: Der standardisierte Arbeitslose. Langzeitarbeitslose Klienten in der aktivierenden Sozialpolitik (Margit Weihrich)
  • Keller, Berndt, und Hartmut Seifert: Atypische Beschäftigung zwischen Prekarität und Normalität (Stefan Stuth)

Migrationssoziologie

  • Heckmann, Friedrich: Integration von Migranten. Einwanderung und neue Nationenbildung (Haci Halil Uslucan)

Soziologie des Alters

  • Walker, Alan, und Liam Foster (Hrsg.): The Political Economy of Ageing and Later Life: Critical Perspectives (Andreas Motel-Klingebiel)

Stadtsoziologie

  • Sundsboe, Astrid Ouahyb: Grenzziehungen in der Stadt. Ethnische Kategorien und die Wahrnehmung und Bewertung von Wohnorten (Jürgen Friedrichs)

Mensch-Tier-Soziologie

  • Brucker, Renate, Melanie Bujok, Birgit Mütherich, Martin Seeliger und Frank Thieme (Hrsg.): Das Mensch-Tier-Verhältnis. Eine sozialwissenschaftliche Einführung (Sylvia Greiffenhagen)

Soziologische Theorie

  • Levine, Donald N.: Social Theory as a Vocation. Genres of Theory Work in Sociology. New Brunswick, NJ: Transaction 2015. 400 Seiten. ISBN: 978-1-4128-5502-0. Preis: $ 49,95. (Christian Fleck)

Nachrichten und Mitteilungen

Nekrolog

Nachruf auf Kurt Imhof (17. Januar 1956—1. März 2015)

Jeweils einmal pro Jahr, über Weihnachten und Neujahr, pflegte Kurt Imhof seinen Arbeitsplatz auf eine warme Insel in den Süden zu verlegen. „Bewaffnet“ mit seinem Laptop und einem Stapel sozialwissenschaftlicher Bücher, gönnte er sich fernab von den Zwängen des universitären Alltags eine schöpferische Auszeit, um das Grundsätzliche weiterzudenken und zu Papier zu bringen. An unserem Institut waren Kurt Imhofs Auszeiten berüchtigt. Sie stellten nicht selten eine Zäsur dar. Zum Beispiel dann, wenn er einschneidende Reformvorschläge für unser Forschungsinstitut ausformulierte. Aus seiner letzten Auszeit auf Lanzarote Anfang 2015 erreichte uns leider keine solche Denknahrung mehr. Vielmehr ereilte uns am 17. Januar 2015, just an Kurts 59. Geburtstag, die niederschmetternde Nachricht einer zunächst nur vermuteten, dann nach seiner Rückkehr in die Schweiz bestätigten Diagnose einer gravierenden Krebserkrankung.

Kurt Imhof gehörte zu den Ausnahmeerscheinungen in der Scientific Community. Er war nicht nur ein faszinierender Visionär, sondern auch ein Macher. Er war in der Lage, wahrhaft Großes zu denken und seine Utopien unerbittlich, unter zumeist grenzwertiger Selbstausbeutung und gegen sämtliche Widerstände so lange unbeirrt zu verfolgen, bis sie realisiert waren oder zumindest zweifelsfrei feststand, dass sie unmöglich zu realisieren waren.

Aus einfachen Familienverhältnissen stammend war es Kurt Imhofs Bubentraum, einmal „dort oben“ im Kreis der Bildungselite am Zürichberg Soziologie und Geschichte zu studieren. Bereits während des Studiums hatte er sein Lebensthema gefunden. Er ließ sich von der Frage begeistern, wie sich der durch wiederholte Krisen und Umbrüche durchwirkte soziale Wandel moderner Gesellschaften erklären lässt. Seine Antwort: Dem Zyklus ökonomischer Krisen und Wiederaufschwünge geht ein Zyklus sinkenden oder steigenden Vertrauens in die Leitbilder der Gesellschaft und ihrer Träger voraus. Und diese Vertrauens- und Misstrauenszyklen können gesellschaftliche Bedeutung nur über die öffentliche, vorab medienvermittelte Kommunikation erlangen. Damit schlug Kurt Imhof in dezidierter Form die Brücke zwischen dem sozialen Wandel moderner Gesellschaften und der öffentlichen Kommunikation und wurde damit zum wohl wesentlichsten Promotor öffentlichkeitssoziologischer Forschung und Theoriebildung im deutschsprachigen Raum. Kurt Imhof war so fasziniert von dieser Idee, dass er bereits 1988, als noch völlig statusdefizitärer Assistent beim Schweizerischen Nationalfonds den Projektantrag „Krise und sozialer Wandel, Untersuchung von Medienereignissen in der Schweiz“ einreichte, und damit zum großen Erstaunen der gestandenen Professorenschaft tatsächlich reüssierte. Mit diesem Forschungsprojekt gelang es Kurt Imhof, für die Projektphase 1989 bis 1995 als einfacher Doktor der Soziologie die unglaubliche Summe von einer Million Schweizer Franken Forschungsmitteln einzuwerben. Was dann folgte war das gemeinsame Hinabsteigen in dunkle Zeitungsarchive, um ausgerüstet mit Lineal und Erhebungsbögen die resonanzstärksten Kommunikationsereignisse wichtiger Leitmedien für fast ein ganzes Jahrhundert (1910–1995) zu erfassen. Die bald auf 15 Personen angewachsene Forschergruppe war getragen von der Begeisterung für die gemeinsam erarbeiteten Einsichten in den sozialen Wandel moderner Gesellschaften: dass in gesellschaftlichen Krisenphasen sich etwa die öffentliche Aufmerksamkeit auf einige wenige, besonders intensiv und kontrovers debattierte Kommunikationsereignisse wie das „Waldsterben“ in den 1980er-Jahren einengt; dass das „Fremde“ („Ausländer“, Asylsuchende, Minderheiten) in Krisen verstärkt zum Problem wird oder dass die herrschenden Eliten mitsamt ihren Gesellschaftsentwürfen einer sprunghaft vergrößerten Skandalisierung ausgesetzt sind, während soziale Bewegungen und nicht-etablierte Akteure mit ihren alternativen Gesellschaftsentwürfen an öffentlicher Durchdringung gewinnen. Mit Blick auf die gegenwärtige Flüchtlingsdebatte oder die erstarkenden rechtspopulistischen Bewegungen in vielen Ländern Europas zeigt sich, wie aktuell Kurt Imhofs Werk ist.

Bereits früh unternahm Kurt Imhof Anstrengungen zu einer langfristigen Institutionalisierung dieser Forschung. So kam es 1996, Kurt Imhof war mittlerweile habilitiert und zum Privatdozenten ernannt worden, zur denkwürdigen Retraite im italienischen Menaggio. Feierlich verabschiedeten wir das „Programm 2000“. Wir beschlossen, in möglichst naher Zukunft das „fög – Forschungsinstitut Öffentlichkeit und Gesellschaft“ gemäß dem Vorbild der damaligen Abteilung „Öffentlichkeit und soziale Bewegungen“ am Wissenschaftszentrum Berlin (WZB) zu gründen. Entgegen der klassischen Ordinarienuniversität sollte das fög eine wissenschaftliche Institution „neuen Typs“ sein. Wir wollten nicht fachzentriert, sondern fächerübergreifend, d. h. interdisziplinär forschen. Die Forschungsinstitution sollte nicht wie üblich ein „Durchlauferhitzer“ für befristete Stellen des akademischen Mittelbaus sein, sondern langfristige Forschungsstellen mit adäquater Entlohnung schaffen. Kaum aus unserer Klausur zurückgekehrt, trat Kurt Imhof Ende 1996 mit der Idee des fög an die Leitung der Universität Zürich heran. So gelang es tatsächlich, das Forschungsinstitut Anfang Januar 1997 in Zürich just da zu eröffnen, wo die Grundlagen der Forschungsprojekte seit 1989 erarbeitet worden waren.

Die Situation des fög verbesserte sich nochmals markant, als Kurt Imhof im Jahr 2000 zum ordentlichen Professor für Soziologie und Publizistikwissenschaft ernannt wurde. Der Anschluss an das Institut für Publizistikwissenschaft und Medienforschung (IPMZ) animierte Kurt Imhof, die Forschung zu den Folgen des neuen Strukturwandels der Öffentlichkeit, d. h. der fortschreitenden Kommerzialisierung der Medien, zu intensivieren. Er beobachtete, dass die Personalisierung, die Skandalisierung und die Privatisierung der Medieninhalte ab den ausgehenden 1980er-Jahren deutlich anstiegen und dass die Skandalisierungsdynamik nicht mehr nur dem Rhythmus von gesellschaftlichen Krisenperioden folgte, sondern auf Dauer eine wesentlich größere Bedeutung in der öffentlichen Kommunikation erlangte. Ebenfalls beobachtete er eine Bedeutungssteigerung „seichter“ Kommunikationsereignisse zulasten der für das demokratische Gemeinweisen unverzichtbaren „harten“ Themen mit Bezug zur Politik, Wirtschaft und Kultur. Aus der Beobachtung einer sich weiter akzentuierenden Qualitätsproblematik der Medieninhalte entwickelte Kurt Imhof Mitte der 2000er-Jahre eine weitere Vision, nämlich diejenige eines „Jahrbuchs Qualität der Medien“. Dafür gründete Kurt im Jahr 2009 kurzerhand eine Stiftung und sammelte zusammen mit anderen Stiftungsräten 1,5 Mio. Schweizerfranken, die es dem fög erlaubten, die Jahrbuch-Forschung für einen längeren Zeitraum zu verfolgen. Kurt Imhof formulierte die Bedeutung des Jahrbuchs Medienqualität so: „Die Qualität der öffentlichen Kommunikation ist der Seismograph für den Zustand der politischen Kultur in der Bandbreite zwischen Barbarei und Zivilisation. Kein Krieg und kein Bürgerkrieg lässt sich ohne die kommunikative Vorbereitung des Barbarischen in der öffentlichen Kommunikation führen.“

Der Krisentheoretiker Kurt Imhof befasste sich in seinen unzähligen Schriften unter anderem intensiv mit dem Phänomen „charismatischer Herrschaft“. In Anlehnung an den Soziologen Max Weber – neben Jürgen Habermas sein größtes intellektuelles Vorbild – beschrieb Kurt Imhof den Charismatiker als jemanden, dem außeralltägliche „Gnadengaben“ oder Talente zugeschrieben werden und der insbesondere in Zeiten großer Verunsicherung Hochkonjunktur hat. In schwierigen und unübersichtlichen Zeiten, wenn sich Abgründe auftun und einstige Versprechungen in weite Ferne rücken, neigen die Menschen zur radikalen Vertrauensdelegation an faszinierende Menschen, die neue Wege aufzeigen und Bestehendes radikal in Frage stellen.

Kurt Imhof wäre es niemals in den Sinn gekommen, sich selbst als Charismatiker zu bezeichnen, wohl wissend, dass charismatische Führung mit erheblichen Problemen verbunden ist, u. a. zu einer ungesunden Abhängigkeit der „Untergebenen“ führen kann. Dennoch steht zweifelsfrei fest: Kurt Imhof war eine charismatische Persönlichkeit. Und das war auch nötig. Denn die in monetärer und institutioneller Hinsicht immer wieder prekäre Situation am fög musste durch viel Faszinationskraft und Begeisterung für die gemeinsamen Forschungsinhalte kompensiert werden.

Kurt Imhof war ein brillanter Rhetoriker, ein Meister des gesprochenen und geschriebenen Wortes. Er war in der Lage, komplexe Dinge auf den Punkt zu bringen, mit Sprache neue Welten zu erschließen oder unangenehme Dinge schelmisch so in Worte zu verpacken, dass sie ohne zu befremden überhaupt angesprochen werden konnten. So schickte uns Kurt Imhof in den letzten Wochen seines Lebens aus dem Spital eine Mail, in dem er uns mitteilte, dass „der Krebs nun verstrahlt, verbrannt und in giftiger Chemie ersäuft“ werde.

Dass er selten mit dem Mainstream ging, sicherte ihm und unserer Organisation die nötige Aufmerksamkeit. Häufig setzte er zur herrschenden Meinung den Kontrapunkt und stellte gewachsene Strukturen und dominante Werthaltungen schonungslos in Frage. Davon nahm er auch die Wissenschaft nicht aus. Eine auf kleinteilige Fragen oder nur auf Resonanz in den Peer-Reviewed Journals ausgerichtete Sozialwissenschaft war ihm ein Gräuel. Wissenschaft soll ihren Gegenstand nicht nur erklärend beschreiben, sondern als Aufklärungswissenschaft das Sein am Sollen messen und mutig auf gesellschaftliche Missstände aufmerksam machen. Er bewunderte jene Wissenschaftskollegen, die dieses Ideal mit ihm teilten und sich mutig in den öffentlichen Diskurs einschalteten. Und er haderte mit jenen, die ihm auf den Hinterbühnen auf die Schultern klopften, ihn aber auf den Vorderbühnen allein ließen, wenn er wieder mal Prügel einstecken musste, z. B. von aufgebrachten Verlegern, die seine Diagnose zur sinkenden Medienqualität nicht akzeptieren wollten. Kurt Imhof war unübertrefflich in seiner Art, gesellschaftliche Normen auf die Schippe zu nehmen. Dadurch wollte er stets auch vor Augen führen, dass die soziale Ordnung moderner Gesellschaften keineswegs selbstverständlich ist, einfach als gegeben hingenommen werden kann. Aus diesem Bewusstsein heraus setzte er sich umgekehrt unablässig für jene Normen ein, die für ihn unverhandelbar waren. Dazu gehörten insbesondere die Errungenschaften der Aufklärung, d. h. die Versammlungs-, Meinungs- und Pressefreiheit und die „sanfte Gewalt des besseren Arguments“ als Voraussetzungen einer funktionierenden Demokratie.

So prägte der Charismatiker Kurt Imhof die Vorderbühne unseres Instituts, in der Öffentlichkeit, in den Hörsälen und im Rahmen unzähliger Referate, mit scharfsinnigen Analysen und provokanten Statements und füllte die Räume mit seinem Geist und seinem unnachahmlichen Lachen. Kurt wollte mit seinem Leben etwas bewegen, und er hat etwas bewegt. Kurt Imhof faszinierte jedoch nicht nur auf den Vorderbühnen der Öffentlichkeit. Er beeindruckte uns Mitstreiterinnen und Mitstreiter des fög täglich auch auf den Hinterbühnen. Denn die Voraussetzung, dass Kurt Imhof überhaupt diese Kraft nach vorne entwickeln konnte, war die Hinterbühne, waren seine Freunde, seine Familie, waren wir, die Mitforscherinnen und Mitforscher vom fög. Im geschützten privaten Raum dieser Hinterbühne offenbarte sich ein vielschichtigerer Kurt Imhof. Hier zeigte er immer wieder auch seine verletzliche Seite. Kurt Imhof hat den Konflikt mit der Öffentlichkeit nie gescheut, wenn er wichtige gesellschaftliche Anliegen tangiert sah. Oft sagte er aber vor einem öffentlichen Auftritt: „Lieber einen Sack voll Spinnen fressen als diesen Vortrag halten!“ Kurt Imhofs Humor war sagenhaft – nicht nur punktgenau und treffend, sondern auch überraschend und herrlich provokativ, gleichzeitig aber nie verletzend. Mit ihm zusammen zu sein war stets bereichernd und oft auch sehr amüsant. Selbst die schwierigsten Themen endeten zumeist mit Kurts berühmtem Lacher, womit er jeder noch so belastenden Situation die Schwere nehmen konnte.

In einem seiner letzten Mails kurz vor seinem Tod schrieb er: „Ich bin stolz wie noch nie auf das fög und auf Euch. Es ist eine starke, feine Institution mit den richtigen Fragen und dem richtigen Biss mit herausragenden Menschen. Wir haben uns nie vom Anker moderner wissenschaftlicher Orientierung, der Aufklärungswissenschaft entfernt, das ist eine große Leistung. Die Probleme der Postdemokratie – nicht die vergammelnde Postmoderne – interessierten uns. Dieses fög wird überleben und ihr – wir – mach(t)en es möglich.“ Wohl in der Vorahnung darum, dass es bald zu Ende gehen könnte, klang hier an, dass wir nun das Steuer übernehmen müssen. Das haben wir getan.

Der Tod von Kurt Imhof, dem Visionär und Macher, dem Charismatiker und Sinnstifter, dem Nahbaren und Menschenfreund, dem faszinierenden Forscher und Intellektuellen, vor allem aber unserem Freund, war ein äußerst schmerzliches Ereignis. Aber wir führen mit Enthusiasmus und Leidenschaft das gemeinsame Vorhaben weiter. Seine Wissenschaftsinhalte wie seine Ideale werden in der Scientific Community eine Quelle der Inspiration bleiben.

Mark Eisenegger

Mitteilungen

Preis der Fritz Thyssen Stiftung – Zeitschriftenjahrgang 2014

Mit dem Preis der Fritz Thyssen Stiftung für sozialwissenschaftliche Aufsätze soll der Zeitschriftenaufsatz als Mittel der wissenschaftlichen Kommunikation hervorgehoben werden.

Die Idee der Vergabe eines Preises für soziologische Arbeiten stammt von Prof. Dr. Dr. h.c. Erwin K. Scheuch, welcher im Dezember 1981 die Unterstützung und Finanzierung bei der Fritz Thyssen Stiftung beantragte, die dem Antrag stattgab. Seither werden jährlich deutsch- und englischsprachige Aufsätze aus der Soziologie, der Politikwissenschaft, der Wirtschafts- und Sozialgeschichte sowie seit 2011 Medien- und Kommunikationswissenschaft aus deutschsprachigen Fachzeitschriften prämiert, um die internationale Bedeutung und Sichtbarkeit von Fachaufsätzen aus dem deutschsprachigen Raum zu erhöhen.

Der Preis ist über den Bereich der Sozialwissenschaften hinaus bekannt und hat einen besonderen Stellenwert, nicht zuletzt, weil er einer der wenigen Preise ist, welcher interdisziplinär in die verschiedenen Bereiche der Sozialwissenschaften ausgerichtet ist und von einem interdisziplinären Gremium vergeben wird, was eine Seltenheit in der deutschen Universitätslandschaft darstellt.

Der Preis wurde nunmehr zum vierunddreißigsten Male durch eine Jury am Institut für Soziologie und Sozialpsychologie der Universität zu Köln vergeben.

  • Den ersten Preis (dotiert mit 1500 €) erhält:

    Marion Müller: „The evils of racism and wealth of diversity“ – Zum Bedeutungswandel der Rassenkategorie bei den UN-Weltkonferenzen gegen Rassismus „The evils of racism and the wealth of diversity“: Semantic Changes in the Category of Race in UN World Conferences against Racism (Zeitschrift für Soziologie, Jg. 43, Heft 6, 2014, S. 402–420)

  • Den zweiten Preis (dotiert mit 1000 €) erhält:

    Dominic Aykel und Jens Beckert: Pietät und Profit – Kultureller Wandel und Marktentstehung am Beispiel des Bestattungsmarkts. (Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Jg. 66, Heft 3, 425–444)

  • Den dritten Preis (dotiert mit 500 €) erhalten:

    Paul C. Bauer und Matthias Fatke: „Direct Democracy and Political Trust: Enhancing Trust, Initiating Distrust or Both? (Swiss Political Science Review, Jg. 20, Heft 1, S. 49–69)

    Michael Kopsidis: Bäuerliche Landwirtschaft und Agrarwachstum: Südosteuropa 1870–1940 im Licht moderner Entwicklungstheorie (Jahrbuch für Wirtschaftsgeschichte/Economic History Yearbook, Band 55, Heft 1, S. 65–92)

Marius Busemeyer erhält Stein Rokkan Preis

Der diesjährige Stein Rokkan Preis ist Marius R. Busemeyer zuerkannt worden. Der Professor für Politikwissenschaft an der Universität Konstanz erhielt die Auszeichnung für seine Monografie „Skills and Inequality“. Busemeyer untersucht hier die historischen Ursprünge heutiger Bildungssysteme westeuropäischer Staaten und identifiziert die Periode nach dem Zweiten Weltkrieg als Phase kritischer Weichenstellungen. Zentrales Anliegen Busemeyers ist es aufzuzeigen, dass Bildungssysteme eine Schlüsselrolle im Verständnis der Evolution westlicher Wohlfahrtsstaaten einnehmen.

Marius Busemeyer studierte Politik-, Wirtschafts- und Rechtswissenschaften an der Universität Heidelberg, wo er 2006 mit einer Arbeit zur vergleichenden Untersuchung von Bildungsausgaben promovierte. Von 2003 bis 2005 war er McCloy-Stipendiat der Studienstiftung des Deutschen Volkes und erwarb einen Master-Abschluss in Verwaltungswissenschaften an der Harvard Kennedy School. Von 2006 bis 2010 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Kölner Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung mit den Forschungsschwerpunkten vergleichende politische Ökonomie, Wohlfahrtsstaaten, Staatsfinanzen, sozialdemokratische Parteien und Theorien des institutionellen Wandels. 2010 wurde ihm von der Universität Köln die Venia Legendi für das Fach Politikwissenschaft verliehen.

Der Stein Rokkan Prize for Comparative Social Science Research wird von der International Social Science Council (ISSC), der Universität Bergen und dem European Consortium for Political Research (ECPR) ausgelobt.

Der Stein Rokkan Preis gehört zu den höchsten Auszeichnungen für Monografien im Bereich der vergleichenden Sozialwissenschaften. In ihrer Begründung unterstreicht die Jury die herausragende theoretische Analyse und das weitgefasste empirische Spektrum des Buchs und bezeichnet es als „substanziellen und innovativen Beitrag zur vergleichenden sozialwissenschaftlichen Forschung“. Marius Busemeyer war von 2006 bis 2010 Wissenschaftler am MPIfG ist heute Professor für Politikwissenschaft an der Universität Konstanz.

Ankündigungen

Internationale Tagung zum Thema „Praxeologie & Differenz“, Europa-Universität Flensburg vom 28.–29. Januar 2016

Praxeologische Zugänge zur Erforschung pädagogischer Wirklichkeiten haben sich in den letzten Jahren bewährt. Eine besondere Stärke entfaltet der empirisch-analytische Blick auf soziale Praktiken insbesondere dort, wo Differenzkonstruktionen im Zentrum des erziehungswissenschaftlichen Interesses stehen. Praxistheoretische und praxeologische Ansätze erklären soziale Prozesse nicht primär auf der Grundlage rationaler Entscheidungen oder entlang subjektiven Sinns, sondern gehen davon aus, dass die Logik der Praxis, wie sie z. B. Bourdieu (1987) versteht, ihre eigene Perspektive auf soziale Wirklichkeit entfaltet. Auch mit Reckwitz kann angenommen werden, dass die Praktiken der privilegierte Ort der Konstitution des Sozialen sind (Reckwitz 2003). Im Zentrum von Theorien sozialer Praktiken stehen vor allem die Mikroprozesse und Handlungsroutinen und ihr Zusammenhang mit sozialen Ordnungen.

Um Zusammenhänge zwischen Praxeologie und Differenz theoretisch wie empirisch-analytisch auszuloten, findet vom 28. bis 29.01.2016 die Internationale Tagung „Praxeologie & Differenz im erziehungswissenschaftlichen Diskurs“ an der Europa-Universität Flensburg statt, welche die Diskussion insbesondere mit Blick auf methodologische Fragen vorantreiben will.

Dazu werden exponierte internationale wie nationale Expertinnen und Experten Keynotes halten:

Prof. Dr. Theodore R. Schatzki (University of Kentucky, USA), Prof. Dr. Robert Schmidt (Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt GER), Prof. Dr. Tanja Sturm (Pädagogische Hochschule Nordwestschweiz CH), Prof. Dr. Michael-Sebastian Honig (Université du Luxembourg LU). Zusätzlich gibt es Gelegenheit, eigene Forschungsarbeiten zu präsentieren.

Die Tagungssprachen sind Deutsch und Englisch.

http://​www.​uni-flensburg.​de/​tagung-praxeologie

Call for Papers

Third ISA Forum of Sociology (Call for Abstracts)

The Third ISA Forum will be convened in Vienna, Austria, 10–14 July 2016 on the theme “The Futures We Want: Global Sociology and the Struggles for a Better World.” This theme encourages a forward-orientation in empirical, theoretical, and normative research to tackle the problems and opportunities that often cut across borders.

This general theme provides a platform for dialog among ISA’s many participating Research Committees (RCs), Working Groups (WGs), and Thematic Groups (TGs). It calls for research on the full range of sociological topics from the tiny worlds of micro situations to the broad macro dynamics affecting the entire planet. It encourages inquiries into the multiplicity of possibilities, projects, and visions. It welcomes diverse approaches, including comparative and interdisciplinary collaborations.

https://​isaconf.​confex.​com/​isaconf/​forum2016/​cfp.​cgi

„Komplexitätssteigerung und Komplexitätsreduzierung in der kommunikationswissenschaftlichen Theoriebildung“.

Call for Papers für ein Themenheft „Medien & Kommunikationswissenschaft“
Gastherausgeber: Christian Pentzold & Christian Katzenbach

Theoriebildung, also das Entwickeln, Formulieren, Diskutieren und Anwenden theoretischen Wissens in Form verallgemeinerter Konzepte, erklärender Modelle oder analytischer Begriffe, bewegt sich stets im Spannungsverhältnis von Verkomplizierung und Vereinfachung. Das Anliegen der Kommunikationswissenschaft, die Bedingungen, Vorgänge und Konsequenzen von Kommunikationsprozessen und Mediensystemen in ihrer Komplexität adäquat erfassen zu wollen, scheint dabei der Notwendigkeit und Leistung von Theoriebildung gegenüber zu stehen, gerade eine Beschränkung vorzunehmen, um die jeweils im Fokus stehenden Aspekte abstrahierend und generalisierend beschreiben, erklären und gegebenenfalls prognostizieren zu können.

Kolleginnen und Kollegen, die einen Beitrag zu diesem Themenheft beisteuern möchten, werden gebeten, bis zum 1. Juni 2016 ein vollständiges Manuskriptangebot an die Redaktion zu senden (max. 55.000 Buchstaben inkl. Leerzeichen). Über die Annahme der Manuskripte wird nach dem üblichen Begutachtungsverfahren von M&K entschieden.

Adresse: Redaktion Medien & Kommunikationswissenschaft, Christiane Matzen c.matzen@hans-bredow-institut.de

https://​www.​hans-bredow-institut.​de/​webfm_​send/​1105

Gutachterinnen und Gutachter der Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 2014/2015

An der Begutachtung von Manuskripten, die der Zeitschrift im Zeitraum zwischen dem 1. Juli 2014 und dem 30. Juni 2015 eingereicht wurden, haben die folgenden Kolleginnen und Kollegen mitgewirkt. Wir danken ihnen sehr herzlich für die Beteiligung an der Entstehung der Zeitschrift.

  • Andreß, Hans-Jürgen (Köln)
  • Arránz-Becker, Oliver (Köln)
  • Auspurg, Katrin (Frankfurt am Main)
  • Baier, Dirk (Hannover)
  • Becker, Birgit (Frankfurt am Main)
  • Becker, Rolf (Bern)
  • Bergmann, Werner (Berlin)
  • Best, Henning (Würzburg)
  • Beyer, Heiko (Wuppertal)
  • Bongaerts, Gregor (Duisburg)
  • Brettschneider, Frank (Stuttgart)
  • Bühlmann, Felix (Lausanne)
  • Busch, Anne (Hamburg)
  • Ditton, Hartmut (München)
  • Dollmann, Jörg (Mannheim)
  • Dülmer, Hermann (Köln)
  • Dumont, Hanna (Berlin)
  • Erlinghagen, Marcel (Essen)
  • Gangl, Markus (Frankfurt am Main)
  • Gensicke, Thomas (München)
  • Greve, Werner (Hildesheim)
  • Helbig, Marcel (Berlin)
  • Hinz, Thomas (Konstanz)
  • Hörstermann, Katharina (Köln)
  • Hradil, Stefan (Mainz)
  • Isengard, Bettina (Zürich)
  • Jarren, Otfried (Zürich)
  • Kellermann, Paul (Klagenfurt)
  • Kleemann, Frank (Duisburg)
  • Kogan, Irena (Mannheim)
  • Konietzka, Dirk (Braunschweig)
  • Kristen, Cornelia (Bamberg)
  • Kroneberg, Clemens (Köln)
  • Kronenberg, Volker (Bonn)
  • Krücken, Georg (Kassel)
  • Leemann, Regula Julia (Basel)
  • Lutter, Mark (Köln)
  • Mau, Steffen (Bremen)
  • Mayer, Karl Ulrich (New Haven)
  • Münch, Richard (Bamberg)
  • Nauck, Bernhard (Chemnitz)
  • Neyer, Franz J. (Jena)
  • Nonnenmacher, Alexandra (Siegen)
  • Oser, Fritz (Fribourg)
  • Possinger, Johanna (München)
  • Pötzsch, Olga
  • Reuband, Karl-Heinz (Düsseldorf)
  • Rössel, Jörg (Zürich)
  • Roßbach, Hans-Günther (Bamberg)
  • Schlüter, Elmar (Gießen)
  • Schmitt-Beck, Rüdiger (Mannheim)
  • Schroer, Markus (Marburg)
  • Schulz, Florian (Erlangen)
  • Shamon, Hawal (Köln)
  • Siegert, Manuel (Nürnberg)
  • Solga, Heike (Berlin)
  • Stichweh, Rudolf (Bonn)
  • Struck, Olaf (Bamberg)
  • Traunmüller, Richard (Frankfurt am Main)
  • Trommsdorff, Gisela (Konstanz)
  • Wagner, Michael (Köln)
  • Wohlrab-Sahr, Monika (Leipzig)
  • Wolf, Christof (Mannheim)
  • Anhänge